Wie man auf deinem gehackten Router ein Spiegelei zubereiten kann

Cryptomining-Virus: Ein Spiegelei wird auf einem Router gebraten / Foto: Facebook

Um Bitcoins zu erzeugen, lassen Hacker gerne fremde Endgeräte für sie arbeiten. Ein infizierter Router wird dabei so heiß, dass man ein Ei auf ihm braten kann.

Ich glaube ja, nur einer von hundert Personen hat schon mal was von Cryptomining gehört. Und nur einer von zehntausend Personen interessiert sich tatsächlich dafür. Ein Thema also, welches scheinbar völlig am Interesse unserer normalen Gesellschaft vorbeigeht. Das ist gut für eine kleine Gruppe der Gesellschaft, die sich euer Desinteresse zu nutzen macht: Hacker.

Was ist Cryptomining?
Anders als normnalerweise, geht es beim Cryptomining nicht um das Ausspähen von persönlichen Daten oder Betriebsgeheimnissen, sondern um das Erschaffen von Bitcoins. Ich bin überzeugt, jeder von euch hat schon einmal von Bitcoins gehört oder besitzt sogar schon welche. Mit etwas Glück seit langer Zeit, denn dann wärst du jetzt reich. Die digitale Währung ist seit mehreren Jahren in vielen Ländern anerkannt, mittlerweile könnt ihr sogar bei eurem Pizzalieferservice mit Bitcoins bezahlen. Wie aber funktionieren Bitcoins eigentlich?
Das große Geheimnis hinter den Bitcoins ist die sogenannte Blockchain. Eine Art digitale Kette, in der alle Transaktionen eines bestimmten Zeitraumes jeweils in einen festen Block eingeschrieben werden, und zwar nur die Transaktionen. Sender sowie Empfänger bleiben gänzlich anonym. Somit sind alle Transaktionen, die jemals stattgefunden haben, in der Blockchain wiederzufinden und – auf vielen Servern verteilt – auf der ganzen Welt einsehbar. Das Festschreiben dieser Transaktionen in den Block ist an einen komplizierten Rechenprozess gekoppelt. Hochleistungscomputer lösen hierfür komplexe mathematische Algorithmen. Derjenige, der die mathematische Aufgabe löst und dafür sorgt, dass der zu berechnende Block auf ewig an die Kette angehangen wird, bekommt dafür eine Belohnung: 12.5 neue Bitcoins werden für den Markt erzeugt und demjenigen gutgeschrieben, der den Block mathematisch bestätigt und an die Kette hängt. Bei einem aktuellen Kurs von ca 5.500 Euro pro Bitcoin könnt ihr euch ausrechnen, dass das Cryptomining, also das Erschaffen von neuen Bitcoins durch das Bestätigen von Transaktionen, durchaus seinen Reiz hat.

Goldgräberlaune bei den Bastlern und Hackern
In guter Goldgräberlaune stürzen sich Interessierte logischerweise auf das Erschaffen von neuen Bitcoins. Einziges Problem: Das oben genannte Zauberwort Hochleistungscomputer. Ohne einen solchen Computer gelingt das Berechnen der Blockchain nicht, im Vergleich zum Aufwand und den Stromkosten für einen solchen Computer winken Privatanwender daher besser ab. Einzig die großen Konzerne können solche Computer betreiben und so neue Bitcoins abgreifen. Oder aber: Man lässt viele fremde Rechner für sich arbeiten. Eine dafür geschaffene Cryptomining-Schadsoftware kann dies ermöglichen: Einmal als Virus auf deinen privaten Rechner eingespielt, rackert sich deine Mühle mit pfeifendem Lüfter an den mathematischen Gleichungen ab, in der Hoffnung, dass die Aufgabe gelöst und dem Hacker am anderen Ende deines Rechners neue Bitcoins gutgeschrieben werden. Dem winken dann ca. 68.000 Euro in Bitcoins, während dein Laptop den wahrscheinlichen Falle eines Hitzetodes erleidet. Aber nicht nur heimische Rechner werden infiziert. Ebenso können Telefone oder sonstige Kleinstrechner für die Gewinnung von Bitcoins missbraucht werden. Das bei der geringen Rechenleistung der Geräte wahrscheinlich kein Ergebnis herauskommen wird, ist dem professionellen Angreifer recht egal: Die Masse an infizierten Geräten wird es schon bringen.

Am vergangenen Wochenende demonstrierten Hacker sowie Security Experten, wie man auf einem infizierten heimischen Router ein Ei braten kann, während er sich an den Bitcoin-Gleichungen abmüht. Wenn auch als lustiges Beispiel gedacht, sind durchaus die Gefahren erkennbar, die entstehen, wenn man Endgeräte ganz bewusst in den Hitzetod schicken kann. 

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About the author

Urbanist, DJ und ethischer Hacker aus Dortmund. Aufgewachsen zwischen Graffiti, schwitzigen Konzerten und haufenweise Instrumentenkabeln. Bjoern liebt das Reisen und das Entdecken von Vergänglichem inmitten von hektischem Großstadttreiben. Auf seinem Blog Last Junkies On Earth dokumentiert er das Treiben seiner Stadt.

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