Garage auf dem Wasser – warum immer nur in Hamburg?

Garage, Beat, Psych: THE COOL. Foto: Florian Kohl

Ein Garage-Konzert auf einem Bötchen, das gut bis sehr gut gefüllt stundenlang durch den Hafen schippert, beim regelmäßigen Zwischenstopp immer wieder einige Mitfahrer ausspuckt und bei der Gelegenheit auch wieder neue aufnimmt. Während das legendäre Hamburger Garage-Beatrock Duo The Cool auf dem schwankenden Schiffchen zwei Minikonzerte gibt, feiern die Menschen, als wollten sie den Stress der Arbeitswoche abschütteln und endlich das Wochenende begrüßen – und das, obwohl es Sonntagnachmittag ist.

Genau das spielte sich am zurückliegenden Wochenende auf der MS Hedi (auch bekannt als Frau Hedi’s Tanzkaffee) ab, dem charmantesten Partyboot Hamburgs. Es war das schillernde Finale des dreitägigen Festivals Garageville, das für nicht wenige zu einem Tanz-Marathon wurde. Maic beispielsweise, ein Mittvierziger, der an diesem Nachmittag auf der Hedi mit allen und jedem feiert, macht schon seit Donnerstag Party. „Da hatten wir die inoffizielle Startveranstaltung und seitdem habe ich durch so ungefähr jeden Tisch gehauen und kaum ein Auge zugemacht.“ Obwohl er in Hamburg wohnt, hat er sich für das Wochenende ein Hotelzimmer genommen, damit er möglichst wenig Zeit verliert, wenn er sich mal umziehen oder duschen wollte. Und mit seiner Lust auf Feierei ist der Skulpturkünstler an diesem Wochenende wirklich nicht alleine.

Bei seiner vierten Auflage hat das Garageville schon einen solchen Ruf, dass die Leute aus Italien, Österreich, England und anderen Teilen Europas kommen – die zahlreichen Konzerte im „Molotow“ und im „Hafenklang“ wie auch der Boat Trip auf der Elbe waren schon nach wenigen Stunden ausverkauft. Das ist insofern eine wichtige Notiz, als sie nahelegt, dass sich der durchschlagende Erfolg des Garageville nicht nur in der soliden Hamburger Beat- & Garagen-Szene gründet, sondern mit den richtigen Zugpferden durchaus auch andernorts realisierbar wäre.

Zum Beispiel in Dortmund, wo es doch auch einen Hafen gibt. Der mag zwar etwas kleiner wirken, aber als größter Kanalhafen Europas gibt es trotzdem noch sehr viel Wasserfläche, auf der geschippert werden kann. Und es gibt die Santa Monika , die für derartige Wassersausen geradezu prädestiniert ist – auch wenn sie sich in ihrem Einrichtungsstil deutlich vom schwimmenden Hamburger Tanzkaffee unterscheidet, mit etwas Hingabe kann ein Veranstalter schließlich auch aus der unscheinbarsten Eckkneipe für einige Stunden ein buntes Refugium für Sehnsüchte nach einer anderen Zeit schaffen. Und wer meckern möchte, dass Dortmund trotz seiner in diesem Genre gar nicht so schlecht ausgebauten Szene musikalisch einen anderen Attraktivitätswert haben könnte als Hamburg, der muss sich eben andere Ereignisse zunutze machen. Im Zuge des Way Back When beispielsweise, wenn ohnehin von außerhalb viele für die Musik nach Dortmund kommen, ließe sich zu einem Ausflug auf dem Wasser mit guter Musik sicherlich viel Partyvolk locken. In diesem Jahr ist es zwar zu spät dafür, aber nächstes Jahr kehrt die günstige Gelegenheit zurück und frühe Planung ist selten verkehrt.

Außerdem müssen es ja auch nicht unbedingt gleich drei oder vier Tage sein, ein Samstagnachmittag oder -abend würde schon reichen. Man könnte ja klein anfangen, mit vielleicht drei Bands sowie ein, zwei DJs und bei einem Erfolg noch immer eins drauflegen, wenn einem danach ist. Jedenfalls wäre etwas derartiges definitiv eine Bereicherung für das Nachtleben im Ruhrgebiet – nichts gegen die etablierten Locations, aber ab und zu möchte man doch auch mal etwas Besonderes, oder? Und im Anschluss kann man ja ins nebenan gelegene Tyde oder in den Rekorder gehen, der ist schließlich gleich um die Ecke und ein hervorragender Ort für eine Afterparty.

 

MS Hedi2

Das charmanteste Partyboot der Hansestadt: Frau Hedi´s Tanzkaffee. Foto: Florian Kohl

 

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About the author

Nachdem er seinen Job als Sportreporter an den Nagel gehangen hat, hat es Florian Kohl als Freelancer, Denker und Schreiber von Hamburg nach Dortmund verschlagen. Soziale Strömungen, Politik und vor allem gutes Essen liegen dem vormals Hardcore-Reggae-Fundamentalisten sehr am Herzen. Wer ihn heutzutage eher auf Garage-Konzerten antrifft, sollte mal lieb grüßen: You won’t see him raging as long as being treated nicely.

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  1. Pingback: Indie auf dem Wasser: Eine Bootsfahrt mit NATIVE & THE BEAT

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