Umschlagplatz am Hafen: Sein oder nicht sein?

Blick auf den Umschlagplatz / Foto: Leopold Achilles


Von Katharina Vollmer & Bjoern Hering

An Dortmunds beliebter Waterkant entstehen bald Promenaden, der Media Port sowie ein Gründungs- und Innovationscampus, die Akademie für Theater und Digitalität und ein Heimathafen Nordstadt. Die blauen Container am Umschlagplatz müssen dafür weichen – bis jetzt alternativlos.

Die international renommierten „Cobe Architects“ haben in ihrem Siegerentwurf für das Areal an den Dortmunder Hafenbecken versucht, möglichst viele Bestandsgebäude zu erhalten: In den alten Backsteingebäuden der Speicherstraße entsteht ab jetzt ein neuer und attraktiver Hafen für Dortmund, eine neue Heimat für Start-Ups und neue Investoren. Dadurch erhofft man sich frisches Leben ins Hafenbecken zu spülen, geplant sind außerdem Flaniermeilen mit einer innovativen Gastronomie für Besucher. Im Rahmen der Stadterneuerung setzt die Stadt Dortmund auf den Erhalt von altem Hafen-Charme und auf die Ansiedlung einer bunten Mischung aus Künstlern sowie Kreativen, als auch auf die Sicherung und Neuschaffung von Arbeitsplätzen durch Gastronomiebetriebe. Letzteres haben die beiden Schwestern Milena und Jasna Rethmann mit der Rethmann Gastro GmbH bereits seit drei Jahren erfolgreich in Betrieb, denn mit dem Umschlagplatz belebt eine junge Erlebnisgastronomie mit seinen zwei kultigen Containern seit 2017 das verlassene Hafenbecken auf dem Gelände der ehemaligen Solendo-Strandbar. Nicht nur heiße sowie kalte Getränke zum Kuchen, sondern auch an die 40 Ausstellungen und Klein-Konzerte, das Cargo-Jazz Festival oder seichte DJ Sets zum Sonnenuntergang sorgen an dem sonst trostlosen aber charmanten Hafenbecken für konstante Besucherzahlen und Entspannung in einem sonst vergessenen Teil Dortmunds. Mit dem Umschlagplatz ebneten die beiden Schwestern, die auch den grünen Salon auf dem Nordmarkt betreiben, bereits zum zweiten Mal den Weg für urbanes Leben, Kunst und bunte Vielfalt an einem von Bürgern kritisch gesehenem Ort, der Nordstadt. Denn außer Leerstand und Autoprollos, die am Abend in der Speicherstraße ihre Reifen zum Qualmen bringen, bietet der Hafenbereich bis dato wenig Attraktives. Nun muss der Umschlagplatz aufgrund der Baumaßnahmen den gepachteten Platz bis zum 31.5. verlassen. Zwar wurde die Möglichkeit zur Rückkehr an die Waterkant in den vergangenen Jahren von den Verantwortlichen immer wieder mit den Rethmann Schwestern kommuniziert, doch in den vergangenen Wochen scheint leider kein Verantwortlicher mehr zu Gesprächen verfügbar zu sein. Auch die Besucher des urbanen Platzes sind verwundert: Bei einem millionenschweren Umbau des Hafens zu einem multifunktionellen Quartier sollte es doch ein Leichtes sein, das Gespräch mit verantwortlichen Personen erneut aufzunehmen, die dieses Viertel seit drei Jahren mit Engagement und Verantwortung positiv aufwerten.

Wunderschöne Sommerabende am Umschlagplatz / Foto: Betreiber

Umschlagplatz wartet mit offenen Armen auf Gespräche

In den letzten Jahren wurde von den Verantwortlichen immer wieder von Alternativen für den Umschlagplatz gesprochen. Darauf haben sich die beiden Betreiberinnen ein Stück weit verlassen und warten nun mit offenen Armen auf Gespräche mit der Stadt Dortmund, der Hafen AG, der Wirtschaftsförderung und Vertretern der Stadterneuerung, um den Weg für ein urbanes Hafenviertel mit hoher Aufenthaltsqualität für Anwohner und Besucher zusammen weiterzugehen. Niemand ist hier gegen eine Restrukturierung eines Hafenviertels, aber es sollte doch möglich sein, dass Pläne mit Anwohnern und bisherigen Betreibern ein Stück weit zusammen erarbeitet werden. Durch den Umbau des Hafens skizzierte Projektziele wie die „Öffnung und Nutzung des Quartiers durch die NordstadtbewohnerInnen“, „Steigerung der Lebensqualität“, „Ansiedlung einer bunten Mischung aus Künstlern, Kreativen“, sowie eine „Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen durch Gastronomiebetrieben“ haben die beiden überzeugten Nordstadt-Betreiberinnen am Umschlagplatz angestoßen. Doch zum jetzigen Zeitpunkt blicken sie lediglich auf Versprechen zurück, über die sich im Augenblick niemand mehr äußern mag. Darf das sein?

Zusammen weitermachen – aber außer einem Video keine Reaktion

Leider bleiben bis dato die Gespräche über angebliche Alternativen aus, denn weder auf E-Mails noch auf Anrufe wird reagiert. Und während der Druck auf den Schultern der beiden Schwestern steigt und zahlreiche Anwohner des Viertels und weit darüber hinaus unter dem Hashtag #umschlagplatzbleibt ihren Unmut äußern, taucht verwirrender Weise ein Video in den sozialen Medien auf. Ist es nicht ratsam, dass alle betroffenen Parteien an einem Strang ziehen, um die Vision eines vielfältigen Hafenquartiers zu realisieren?


Geschäftsführers der Dortmunder Wirtschaftsförderung und stellv. Vorsitzender der Dortmunder SPD Thomas Westphal, gedreht um 9.36 Uhr auf dem Umschlagplatz


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