Der LJOE Guide to Lissabon

„Hello World“, so begrüßt die LX Factory seine Besucher. / Foto: LJOE

Lissabon gehört im Augenblick wohl zu den aufregendsten und aufblühendsten Städten Europas. Wunderbares Wetter und eine aufstrebende Kulturszene machen diese Stadt so spannend. Ich habe mich mit den Locals in die Stadt gestürzt.

Verträumter Altstadt-Flair, ein Gewirr aus winzigen Gassen und wunderbarste Ausblicke und Panoramen an jeder Straßenecke auf der einen, eine blühende Street-Art Szene, ein umtriebiges und höchst aktives Nachtleben sowie jeden Tag neu entstehende Bars auf der anderen Seite machen diese Stadt am Tejo River dieser Tage zu einem der spannendsten Reiseziele in Europa. Bei der gigantischen Anzahl an Bars und guten Locations liegt es mir fern, hier eine ultimative Liste zu erstellen. Ein paar Tipps und Must-Sees für den typischen LJOE-Leser habe ich aber dennoch mitgebracht.

„Lissabon verändert sich. Leider für uns nicht zum Guten“, berichtet mir meine Reisebegleitung für heute Abend. Wir sitzen in einer der zahlreichen, oft versteckten Rooftop-Bars über der Stadt. Über der Stadt, das ist man hier irgendwie immer, denn Lissabon wurde auf sieben ziemlich steilen Hügeln gebaut, der höchste erreicht ganze 226 Meter. So wird der Spaziergang zur echten Herausforderung: Nirgendwo habe ich steilere Straßen in einem Stadtgebiet erlebt, nicht einmal in San Francisco. Die Anstrengungen für die Füße werden jedoch an fast jeder Straßenecke mit unglaublichen Terrassen und Blicken über die Stadt belohnt.

„Für einen Kaffee 3,50 Euro zu bezahlen ist für uns vollkommen absurd“

„Ein Kaffee kostet bei uns maximal 1 Euro. Aber überall im Stadtgebiet entstehen neue Bars und Hipster-Cafés. Dort kostet der Kaffee dann plötzlich 3,50 Euro. Für die Touristen scheinbar kein Problem. Aber unser Gehalt hier in Lissabon ist gleich geblieben. Für einen Kaffee 3,50 Euro zu bezahlen ist für uns vollkommen absurd.“ Man sollte hier erwähnen, dass das Gehalt einer ausgelernten Arbeitskraft in Portugal oft weit unter 1000 Euro liegt.
Immer mehr lokale Geschäfte, meist über mehrere Generationen geführt, sterben hier aus – und das Monster Gentrifizierung schlägt brutal zu. Lissabon kämpft dieser Tage mit sich selbst. Der Sieger scheint schon vorab bekannt, aber im Augenblick befinden wir uns noch mitten im Kampfgeschehen. Wer also diese Stadt bereist, der sollte sich lieber Besuche in den wunderbaren kleinen Oma-Cafés und lokalen Fisch-Restaurants gönnen, solange es sie noch gibt. Hier schmeckt es nicht nur besser – es ist auch super günstig: Tagessuppe, frischer Codfish, Dessert und eine Karaffe Rotwein für 9 Euro sind unschlagbar und sorgen dafür, dass der wahre Spirit der Stadt zumindest noch in den kleinen Nebenstraßen für eine Zeit weiter erhalten bleibt.

Versinkt die Sonne dann am Abend im atlantischen Ozean im Westen der Stadt, zeigt sich Lissabon von einer ganz anderen Seite. Ein pulsierendes Nachtleben beginnt in den Bars des Bario Alto und endet oft nicht vor 8 Uhr morgens. Ich habe mit den Locals die angesagtesten Clubs und Locations gecheckt.

Lux Fragil / Foto: Luisa Ferreira for Lux Fragil

1. LUX FRAGIL
Von Mike Skinner von The Streets bis 2ManyDJs waren alle schon mal hier: Ob als DJs oder einfach nur als Gäste. Das LUX ist seit langem ungeschlagen der beste Club der Stadt. Immer voll, immer ein Garant für gute Musik und eine selten vor 7 Uhr morgens endende Partynacht. Irgendwie passend, dass der Schauspieler John Malkovich hier als Miteigentümer auch noch seine Finger im Spiel hat. Das Ambiente ist etwas gehobener, doch wer ein clubbiges casual-chique vorweisen kann, der sollte an den Türstehern vorbeikommen.
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2. CASA INDEPENDENTE
Versteckt in der zweiten Etage einer alten Stadtwohnung ist das Casa Independente im aufblühenden Stadtteil Intendente ein wahrlich einzigartiger Ort: Bar, Café, Party- und Konzertlocation. Ein Rückzugsort, eine Oase, ein Treffpunkt für die Kreativen. Der Stadtteil hatte mal so seine Probleme, aber das ist zehn Jahre her und jetzt tummeln sich hier die Künstler. Das Casa ist ihre Sammelstelle. Unbedingt mal auschecken.
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Casa Independente / Foto: Casa Independente

3. MUSIC BOX
Im Guardian einst als „Rough & Intense Club“ angepriesen konnte ich mir einen Besuch in der Music Box natürlich nicht verkneifen. Hier findet ihr junge, innovative und frische elektronische DJ Sets und Konzerte, allesamt in einer tollen Atmosphäre und ab 4 Uhr morgens dann auch tatsächlich „loud and sweaty“. Ein Besuch lohnt hier auf jeden Fall, der Club ist nicht so fancy wie das Lux und das steht ihm und seinen Besuchern sehr gut.
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4. SABOTAGE CLUB
Der Name im Sabotage Club ist Programm: Hier gibt´s verdammt gute Rock-DJ-Sets auf voller Lautstärke. Ein Mix aus lokalen Resident-DJs und Special Nights sorgen für ein großes Spektrum an Abwechslung im Monatsprogramm. Freunde der Beastie Boys werden hier ebenso bedient wie die King Kahn Fraktion.
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Park Rooftop Bar / Foto: Park Rooftop Bar

5. CLUB NOIR
Die schwarze Szene in Lissabon findet man am Wochenende gesammelt um einen ziemlich abgefahrenen Tresen. Im Club Noir gibt es Joy Division Special Parties, ebenso Death, Trash und Doom Metal (Freitags) sowie New Wave und Alternative (Samstags). Ein Platz zum Wohlfühlen. Das ist nicht zynisch gemeint.
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6. PARK ROOFTOP BAR
Es gibt eigene Rooftop Bar Guides über Lissabon, diese hier steht immer drin. Auf dem 7. Deck eines Parkhauses mitten in der Stadt erwarten euch jede Menge Grünpflanzen, eine tolle Bar und fantastische Ausblicke über die Stadt und den Tejo River. Abendliche DJ-Sets sowie ein im Sommer stattfindendes Outdoor-Cinema runden diesen tollen Platz ab. Hinauf gelangt man durchs Parkhaus. Ein irrer Ort.
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Village Underground / Foto: Village Underground

7. LX FACTORY
23.000 Quadratmeter verlassener Industriekomplex wurde hier im Stadtteil Alcantâra in einen Pool aus Kreativwirtschaft, Gastronomie, Fine Arts und Fashion verwandelt. Diese Factory zeigt, wie man Industriekulisse und neue Urbanität perfekt verbinden kann. Ein Buchladen in einem alten Maschinenhaus? Nirgendwo sonst in der Stadt fügen sich die Dinge so gut zusammen wie hier. Ein Besuch in der Factory ist sehr empfehlenswert und hinterlässt bleibende Eindrücke.
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8. VILLAGE UNDERGROUND LISBOA
Wer schon immer mal in einem zu einem Café umgebauten Linienbus sitzen wollte, der fünf Meter über der Erde wie ein Stück Schaschlik am Spieß in der Luft schwebt, dem empfehle ich einen Besuch im Village Underground. Das Village ist eine lässige Konstruktion aus umfunktionierten Schiffscontainern und beherbergt Co-Workspaces, Ausstellungsräume und Veranstaltungs-Center. Ein wirklich sehenswertes Gebilde, welches zwar direkt an die LX Factory grenzt, aber nur durch einen separaten Zugang über die Hauptstraße zu erreichen ist.
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Le Chat / Foto: Le Chat

9. LE CHAT 
Ein Mini-Rastaurant / Glas Cube Café mit toller Rooftop-Bar direkt über dem Hafentreiben von Alcantâra. Wer die „brooklyneske“ Seite Lissabons entdecken möchte, der wandert einfach von der Bahnstation Cais o Sodré hinter der Hauptstraße Richtung Belém. Vorbei an Grafik-Werkstätten und Hochschulen kommt man automatisch am Museu National de Arte Antiga vorbei, an welches das simple-modern Café Le Chat grenzt. Einfach ein anderer Ort als der Rest der Stadt.
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10. GALLERIA ZE`DOS BOIS
Visual Arts, Konzerte und Performances. Das 1994 gegründete Non-Profit Art Center lockt mit interessanten Angeboten und ist eine der ältesten Institutionen seiner Art in der Stadt. Neben experimentellen Visual-Arts zeigt die Gallery regelmäßig Alternative Music Künstler aus ganz Portugal. Unbedingt mal das Programm checken.
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Ich wünsche euch eine tolle Zeit in Lissabon!

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About the author

Bjoern Hering lebt seit über 30 Jahren in Dortmund, aufgewachsen zwischen Graffiti, schwitzigen Konzerten und haufenweise Instrumentenkabeln. Bjoern liebt das Reisen und das Entdecken von Vergänglichem inmitten von hektischem Großstadttreiben. Auf seinem Blog Last Junkies On Earth dokumentiert er das Treiben seiner Stadt.