Hope To Meet Jagger zerlegen Dortmund in Godzilla-Manier

Auch das Dortmunder U wird von HOPE TO MEET JAGGER zerlasert / Foto: Screenshot

Es gab mal eine Zeit in Dortmund, da war so gut wie jeder Laternenmast mit einem „HOPE TO MEET JAGGER“ Aufkleber beklebt. Als Teenager fragte ich mich oft, was denn das für eine großartige Band sein muss, die da aus meiner Stadt kommt – so groß und berühmt, dass wirklich jeder Quadratzentimeter der Stadt mit ihrem Namen bestickert scheint. 30 Jahre später präsentiert diese Band seit gestern ihr Comeback – in einem Videoclip, in welchem sie Dortmund in Schutt und Asche legen.

Nicht nur die Happy Mondays tauchen als Überbleibsel der Madchester-Bewegung immer wieder irgendwo auf, zuletzt in Kooperation mit den Gorillaz. Madchester, das war eine Mischung aus Independent, Psychedelia und Elektronischer Tanzmusik, die in der britischen Musik der späten 1980er und frühen 1990er vorherrschend war. Ohne es genau zu wissen, bezeichne ich diese Bewegung rund um Bands wie eben genannte Happy Mondays, den Inspiral Carpets oder auch Stone Roses als Inspiration für den Sound von HOPE TO MEET JAGGER. Mit den Aufklebern verschwand auch die Dortmunder Band – fast ganze 30 Jahre lang. Und plötzlich veröffentlichen die beiden Dortmunder seit gestern ein neues Musikvideo zu einem 18 Jahre alten Song.

Kamerascheue Rampenphobiker

„Wir stehen ja seit fast 30 Jahren vor dem Problem, dass wir nicht aus dem Quark kommen. Planet haben wir schon 1999 geschrieben“, erzählt mir Holga Rosen, der zusammen mit Marcus Meyersieck und Leonard Schuppar die Band bildet. „Ich wollte einfach mal meine filmischen Möglichkeiten ausloten, und weil Musikvideos eine wunderbare Spielwiese sind, bot es sich an, das mit Hope zu kombinieren und da ein Revival zu starten. Auch wenn Marcus und ich keine Popstar-Ambitionen mehr haben und kamerascheue Rampenphobiker sind: Ich finde, unsere Sachen sind zu gut, um ungehört in der Schublade zu verrotten. Vielleicht mache ich erstmal mit Videos für unsere alten Sachen weiter. Und wenn die Flamme erstmal lodert, kommen auch wieder neue Sachen, klar!“


Das Video ist furchtbar gelungen und scheint eine Hommage an alte Trash- und Godzillastreifen zu sein. Da landet ein Ufo über Dortmund-City und zwei überdimensionale Musiker zerlegen die Stadt mit ihren Laserblicken. Dazu Rosen im Interview mit LJOE: „Der Song selbst ist ja schon eine Hommage an die Monsterfilme der 50er und 70er Jahre, mit denen ich aufgewachsen bin. Klar, dass da jetzt die entsprechenden Bilder zu entstehen mussten. Ein Anliegen war es mir höchstens, Dortmund in Schutt und Asche zu legen! New York, Paris oder London hat man alles schon hundertmal gesehen. Dass unser unspektakuläres Dortmund platt gemacht wird, hat es bislang (glaube ich) noch nicht gegeben und sorgt hoffentlich für den nötigen WTF-Effekt.“ Das sorgt es, wir feiern es ab. Prädikat: Besonders gelungen. Bitte mehr, HOPE TO MEET JAGGER, auch wenn es weitere 30 Jahre dauert.

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About the author

Bjoern Hering lebt seit über 30 Jahren in Dortmund, aufgewachsen zwischen Graffiti, schwitzigen Konzerten und haufenweise Instrumentenkabeln. Bjoern liebt das Reisen und das Entdecken von Vergänglichem inmitten von hektischem Großstadttreiben. Auf seinem Blog Last Junkies On Earth dokumentiert er das Treiben seiner Stadt.

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