Process Festival im Tyde


Sind wir Mensch, Maschine oder vielleicht schon Menschmaschine? Beim Process Festival versucht man genau das herauszufinden. Das Process ist Festival, Labor, Konferenz, Wohnzimmer und Party in einem. Für einen Tag erkundet ihr gemeinsam mit internationalen Experten digitale, soziale & technologische Ideen, entwerft kleine und große Visionen für die Zukunft und verschiebt so die Grenze zwischen Technologie und analoger Welt. Euch erwarten Ausstellungen, Vorträge, Prototypen, Konzerte und noch viel mehr – alles direkt an der Wasserkante im Dortmunder Hafen.

Wir nutzen täglich Smartphones, Navigationssysteme und Sprachsteuerungen. Wir haben unsere Daten in der Cloud, arbeiten Hand in Hand mit Maschinen und Programmen. Slack-Channel haben unsere Mittagspausen, WhatsApp-Gruppen unsere Wochenende auf dem Gewissen. Wir reisen nach Skandinavien und betreiben Digital-Detox, bauen Handytürme oder echauffieren uns über die gesponserten Beiträge in unseren sozialen Feeds.

In Phoenix gibt es einen Taxiservice ohne Fahrer. In Seattle stehen Menschen Schlange um bei Amazon Go einzukaufen – einem Supermarkt der verspricht, an der Kasse endlich nicht mehr in der Schlange stehen zu müssen. Tüftler und Nerds basteln am Menschen 2.0 und setzten sich RFID Chips ein, um ihre Haustür zu öffnen oder mit einer Berührung ihren Kaffee zu bezahlen – alles live-dokumentiert in ihrem Vlog.

Künstliche Intelligenzen und Neuronale Netze versetzten Zweifler in Angst und Schrecken, die Interaktion mit menschlich-anmutenden Robotern bringt Utopisten ins Schwitzen. Und was zur Hölle treibt eigentlich Boston Dynamics?

Sind vernetzte Systeme bald so komplex, dass sie sich nicht nur selber, sondern uns gleich mit steuern? Oder bietet die Technologie endlich unendliche Möglichkeiten für jeden Menschen unabhängig seiner Herkunft.

Die Frage ist: Bauen wir die Menschmaschine oder den Maschinenmensch? Und für wen eigentlich? Lasst uns mal drüber reden. – process Festvial 2018.

 

WORKSHOPS:

AATB / Anna Anner & Thiebault Brevet
AATB ist die Kollaboration von Andrea Anner und Thibault Brevet. Nachdem sie zuvor an interaktiven Objekten und Installationen gearbeitet hatten, stießen sie vor drei Jahren auf einen Industrieroboterarm. Eine kontinuierliche Forschung über Mensch-Maschine-Interaktionen kristallisierte sich heraus und führte sie dazu, das Potenzial der Robotik und der industriellen Automatisierung außerhalb der Fabrikhallen zu erforschen.
Ihre Arbeit beinhaltet das Verständnis von Fertigungsprozessen, die von der Softwareprogrammierung über die Elektronik bis hin zum Maschinenbau und der Präzisionsbearbeitung reichen. Sie reflektieren die Verbreitung und Assimilierung der Robotik in alltägliche Aktivitäten und setzen sich kritisch mit neuen Situationen auseinander, die sich aus diesen Verschiebungen ergeben.
AATB werden mit dem UR10 Roboterarm einen Hand-on-Workshop anbieten und anschließend die Ergebnisse auf der Bühne präsentieren.

Robosoul and the Dream of Ethical Harmony / Peter M Friess
Der Workshop befasst sich mit der Koexistenz von Menschen und Humanoiden (sozialen Robotern) in Verbindung mit allen Formen künstlicher und alternativer Intelligenz. Das Projekt stellt aktuelle Technologietrends, zugrunde liegende Glaubensstrukturen und naiven Technologieoptimismus in Frage, und hinterfragt somit die zukünftigen Bedingungen menschlicher Existenz in einem größeren universellen Kontext. Das Projekt artikuliert sich durch Mehrkanal-Videoscreenings, Installationen, Performances, Vorträge und Diskussionen. Jeder Besucher und Teilnehmer setzt durch individuelle Betrachtung die gesamte Dimension von ROBOSOUL zusammen.
ROBOSOUL AND THE DREAM OF ETHICAL HARMONY ist ein weites Feld und wird durch die Fantasien und Ideen aller belebt. Je mehr in kreativ und ausschweifender Weise das Thema diskutiert und ins Extreme vorentwickelt wird, umso deutlicher kristallisiert sich heraus, was ‘Menschsein‘ eigentlich bedeutet und zukünftig bedeuten kann, aber auch was nicht nur den Interessen einiger weniger folgen sollte.

What If / Prof. Heizo Schulze & Prof. Dr. Martin Kiel
Das eigentliche Ziel des Projektes ist eine Online-Community, eine Platform zur konstruktiven Weiterentwicklung von Ideen. Wir haben auch festgestellt, dass der Reiz des Projektes darin besteht Menschen zusammen zu bringen, auch im realen Leben, nicht nur remote und digital. Damit wollen wir beim Process Festival beginnen. Der Workshop soll die verschiedenen Stufen des „WHAT IF“ Projektes auf sich selbst anwenden: Welches Potential steckt in der Idee „Was wäre wenn…?“. Mit Euch werden wir das Projekt selbst und unseren Ansatz zur Weiterentwicklung von Ideen auf den Prüfstand stellen und verbessern.

Robo Wunderkind / Mathias Kutschera
Robo Wunderkind ist ein Robotik-Baukasten, der Kindern die faszinierende Welt der Technologie eröffnet. Das einzigartige Design von Robo Wunderkind fördert die Kreativität und das Denkvermögen und bringt Kindern ab 5 Jahren spielerisch wesentliche Grundlagen des Programmierens sowie der Robotik bei.
Mit den Bausteinen können Kinder ab 5 Jahren spielerisch experimentieren, diese auf viele verschiedene Arten zusammenbauen und selbst einen echten, voll funktionsfähigen Roboter erschaffen. Dank der visuellen Anleitungen in den beiden mitgelieferten Apps (Robo Code und Robo Live), entdecken Kinder die Funktionen jedes Bausteins und die daraus entstehenden Möglichkeiten. Durch das Zusammenstecken der bunten Bauteile, bauen Kinder einzigartige Roboter und erlernen dabei die Grundlagen des Programmierens. Unsere Apps sind zusammen mit Kinderpsychologen entwickelt und verwenden nur visuelle Symbole um Lernerfahrung in Spaß zu verwandeln. Das Forschen mit Robo Wunderkind fördert die Kreativität und das Denkvermögen und unterstützt Kinder dabei, schon frühzeitig die Liebe zum Lernen zu entdecken.

TALK:

Holly Robbins:
Holly Robbins ist Doktorandin an der Delft University of Technology (NL) in Industriedesign. Ihre Arbeit verbindet Design, Technologiephilosophie und Anthropologie, um nicht nur die Rolle zu berücksichtigen, die die Technologie in unserem heutigen Leben spielt, sondern auch, wie wir diese Rolle gestalten können, um einen positiven, ethischen und verantwortungsvollen Einfluss auf die Gesellschaft zu haben. Derzeit betreibt sie zudem Postdoc-Forschung zur verantwortungsvollen Innovation von Mess- und Sensortechnologie. Holly ist Mitbegründerin der Just Things Foundation und Mitautorin des IoT-Manifests.
„Black Boxes“ sind knifflige Dinge. Auf der einen Seite leisten sie einen großen Beitrag dazu, dass uns komplexe Technologien leichter zugänglich werden. Andererseits schränken solche Designentscheidungen unser Verständnis darüber ein, was diese Technologien komplex macht und was die Auswirkungen davon sind. Dies kann besonders bei vernetzten und datenintensiven Technologien problematisch sein. Hollys Forschung verbindet Kritiken aus der Philosophie der Technik mit Design, um ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie man „Black Boxes“ für den allgemeinen Laien lesbarer und zugänglicher macht. Sie argumentiert, dass Design dazu beitragen kann, die Beziehungen, die wir zu diesen Technologien haben, so zu verändern, dass sie nicht nur zwischen dem Einzelnen und der Technologie, sondern auch auf gesellschaftlicher Ebene verantwortungsbewusster sind.

Peggy Schoenegge:
Peggy Schoenegge ist Kuratorin bei dem international arbeitenden Austellungs-Hub peer to space. In ihrer Arbeit befasst sie sich mit den Auswirkungen des digitalen Zeitalters auf das Leben sowie die Gesellschaft und legt den Fokus vor allem auf neue, digitale Medien wie VR und AR. Erst kürzlich organisierte sie die Ausstellungen „PENDORAN VINCI. Kunst und künstliche Intelligenz heute“ im NRW Forum Düsseldorf. Peggies Vortrag geht auf ihre Arbeit als Kuratorin mit medialem Schwerpunkt ein, in der auf unterschiedliche Weise Mensch und Maschine aufeinandertreffen.

Peter Buczkowski:
Peter Buczkowski ist Interaction Designer mit dem Schwerpunkt digitaler Kunst-Installationen und dem anwendungsbezogenen Nutzen von digitalen Mitteln. Er ist begeisterter Gestalter von virtuellen und physischen Welten und nutzt dafür die digitalen Medien als Werkzeug. Bei den Arbeiten die Peter uns mitbringen wird, handelt es sich um drei seiner Projekte: Eine Kamera die uns zu schönen Fotos zwingt, ein Controller der den Benutzer perfekte Runden Snake spielen lässt und ein Gerät das Daten im Unterbewusstsein speichert. Alle drei Projekte haben eines gemeinsam: ihnen liegt ein TENS Gerät zu Grunde, das Stromstöße aussendet um Muskelkontraktionen des Benutzers hervorzurufen. Eine neue Art der Human Computer Interaktion entsteht, bei der das Interface nicht mehr klar definiert werden kann. Zusätzlich wir er sein Project „Current Times“ vorstellen. Eine Spielekonsole, die das Prinzip der Arbeitsteilung auf Computerspiele anwendet.
In seinem Talk wird Peter über den Entstehungsprozess, die Herausforderungen und die Zukunft dieser Ideen sprechen.

Maya Ganesh:
Maya ist Technologieforscherin, Pädagogin und Autorin, die mit Industrie, Kunst- und Kulturorganisationen, Hochschulen und NGOs zusammenarbeitet. Nebenbei arbeitet sie an ihrer Doktorarbeit über Autonomie, Ethik und KI. Ihre weiteren Forschungsinteressen sind: Design, Finanztechnologien, Posthumanismus und der umstrittene Begriff „Anthropocene“. Sie hat mit Tactical Technology Collective, Point of View Bombay, UNICEF Indien und dem APC Women’s Rights Program zusammengearbeitet. Maya wir uns mit einem Talk über die kritische Auseinandersetzung mit Technologie inkl. Themen von Autonomes Fahren über KI bis zu Gender oder Diversity in Tech erfreuen.

Neoanalog / Michael Schmitz:
Die Arbeit von NEOANALOG lebt an der Schnittstelle von Design, Kunst und Technik. Die Künstler verschmelzen digitale und analoge Bereiche, indem sie Code als Komposit verwenden, um die Elemente zu einem sinnlichen, haptischen Erlebnis zu formen. Sie erstellen und realisieren interaktive Räume, Installationen, Objekte und Anwendungen sowie Echtzeitanimationen, AR/VR-Erlebnisse und generative Visualisierungen.
Nach einem prozessorientierten, generativen Designansatz entwickeln sie auch kundenspezifische Computerprogramme und analog-digitale Prototypen, um maßgeschneidertes Design und Funktionalität zu realisieren. Die Arbeit wird in der Regel im Rahmen von Ausstellungen, Museen, Showrooms und Geschäften für Kunden wie Firmen, Kultureinrichtungen, Agenturen und Künstler durchgeführt.

EXHIBITION:

AATB:
AATB werden mit dem UR10 Roboterarm einen Hand-on-Workshop anbieten und anschließend die Ergebnisse auf der Bühne präsentieren.

Tony Spyra:
Auf dem diesjährigen Process Festival wird er das Publikum auf ironische Weise mit dem Thema Technologie konfrontieren. In Form modifizierter Alltagsobjekte werden versteckte Potenziale freigelegt, die über den bekannten Kontext hinaus von Interesse sind.

Codingschule / Kids präsentieren ihren Code:
Kids programmieren, alle anderen staunen! Im August und September fanden in Essen und in Dortmund die zwei Process Festival 2018 Satellit „Coding Challenge – Programmier deine eigene Idee!“ in Kooperation mit der Codingschule statt. Die teilehmenden Kids konnten hier ihre ersten oder zweiten Schritte in die Welt der Programmierung wagen. Bei der Präsentation der Ergebnisse waren sowohl die Leiter der Codingschule, als auch ihre Eltern begeistert. Es wurden simple und verständliche Spiele programmiert und in Minecraft Gebäude durch geschriebenen Code erstellt. Und das Allerwichtigste: Das gemeinsame Arbeiten hat allen großen Spaß gemacht.
Die Ergebnisse verschwinden natürlich nicht in den Zimmern der Kids. Auf dem Process Festival bekommen die jungen Programmierer noch einmal die Chance ihre Games und die Herangehensweise gemeinsam mit der Codingschule den Besuchern zu präsentieren.

Peter M Friess
– ROBOSOUL Animated Fictive Dialogues: Fünf Formen der Koexistenz
– RIGHTS for ALL: Rechte für Menschen und soziale Roboter
– [AI] HoPe and MaNia: Sinn und Unsinn von Künstlicher Intelligenz
– CYBER_essence: Betrachtung der Zukunft von Existenz

Neoanalog / Michael Schmitz:
PARTICLE FLOW (kinetic motion study)
Beim PARTICLE FLOW werden Granulate durch Schwerkraft und Topographie angetrieben und bilden ein analoges Partikelsystem. Eine sich bewegende schräge Ebene und ein Raster aus motorisierten Stempeln steuern die Elemente, um unendliche Variationen von Verhaltensweisen und Mustern zu bilden. Das Ergebnis ist ein zenartiges Erlebnis, das sowohl faszinierend als auch kontemplativ ist. Die softwaregesteuerte Bewegung folgt einer komplexen Choreographie und ermöglicht eine präzise Steuerung physikalischer Partikel auf vielfältige Weise: von subtil bis offensichtlich, von langsam bis rasant, von zufällig bis symmetrisch.
DIGITAL GHOSTS PORTRAITS (generative portrait series)
Diese Serie von generativen Porträts materialisiert und zeigt die fragmentierten Pendants unserer Digital Ghosts – unseren Spuren im digitalen Äther.

MUSIC:
Kalakuta Soul Records
Seit zehn Jahren reist Guy Dermosessian mit seinem Musiklabel Kalakuta Soul Records und prall gefüllten Plattentaschen durch die Clublandschaft Europas und spielt sorgfältig ausgesuchte Schallplatten aus allen vier Ecken der Welt. In seinen langen und vielseitigen Sets hinterfragt er den Kanon der europäischen Clubkultur und lässt türkischen Funk auf nigerianischen Boogie, Musical Popular Brasilia auf kamerunische Makossa und kubanische Guaracha auf kapverdische Coladeras treffen.

Re:Boot Africa
Das RE:BOOT Kollektive aus Offenbach / Hamburg / Berlin wird mit uns die Process Aftershowparty im TYDE beackern! Wir freuen uns auf schwungvolle Beine und durstige Kehlen! RE:BOOT lassen eure Herzen höher schlagen!

Cylvester
CYLVESTER sind das Kölner Duo Max Schweder und Tobias Hartmann. Mit einem individuell zusammengestellten Setup aus Synthesizern und Samplern spielen CYLVESTER elektronische Bassmusik live und ohne Laptop. CYLVESTER visualisieren ihre Show mit der eigens entwickelten Software CYLvision. Diese reagiert in Echtzeit auf alle Sounds und verarbeitet gleichzeitig den Input einer 3D Kamera, die das Live-Spielen der Musiker filmt.

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Process Festival 2018
In den Tyde Studios am Dortmunder Hafen
Samstag, 6. Okjtober 9:00 bis Ende offen
ab 22 Uhr Aftershowparty mit Kalakuta Soul and more

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About the author

Urbanist, DJ und ethischer Hacker aus Dortmund. Aufgewachsen zwischen Graffiti, schwitzigen Konzerten und haufenweise Instrumentenkabeln. Bjoern liebt das Reisen und das Entdecken von Vergänglichem inmitten von hektischem Großstadttreiben. Auf seinem Blog Last Junkies On Earth dokumentiert er das Treiben seiner Stadt.