Ein Kommentar zu den Anschlägen in Paris

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Eine Massengeiselnahme und regelrechte Exekutionen mit bis zu 100 Toten bei einem Konzert der Eagles of Death Metal im Bataclan in Paris. Neben all den anderen schrecklichen Terroranschlägen in der Stadt trifft uns dies natürlich ganz besonders ins Herz.

Wie immer, wenn der Terror plötzlich ein Gesicht bekommt. Die Band ist seit Jahren mit meinem engsten sozialen Umfeld, mit guten Freunden und tollen Bekannten, verknüpft und verwurzelt. Ich gehe nicht zu Fußballspielen, ich hasse Weihnachtsmärkte. Auf einem Eagles of Death Metal Konzert könnten alle meine Freunde und ich jederzeit selbst stehen. Es fühlt sich an, als hätte jemand mich persönlich und all das, wofür ich stehe, gestern Abend angegriffen und getötet, denn kaum etwas verbindet Menschen emotional mehr als Musik. Man will sich gar nicht ausmalen, was sich in der Halle nach dem sechsten Song abgespielt haben muss, als mehrere Bewaffnete mit automatischen Waffen schießend durch die panische Menge gingen und alle, die sich flüchtend auf den Boden warfen oder irgendwie verstecken wollten, systematisch exekutierten. Die Augenzeugenberichte der Überlebenden sprechen für sich. Bei all der Trauer und dem Schmerz, den ich empfinde, sehe ich aber noch Schlimmeres auf uns zukommen. Auf uns, auf die Gesellschaft, auf alle Geflüchteten, die sich zur Zeit bei uns aufhalten. Es sind Fanatiker wie in Paris, vor denen diese Menschen zu uns fliehen. Das dürfen wir niemals vergessen. Jeder einzelne, der diesem Terror entkommen will und auch kann, ist bei uns mehr als herzlich willkommen. Jeder Angriff auf unsere liberalen Werte, die ich mit jedem Tag mehr und mehr zu schätzen lerne und schon lange nicht mehr als selbstverständlich ansehe, jeder noch so feige Angriff lässt uns alle nur noch näher zusammenrücken und für diese Werte einstehen. Der Terror wird nicht mehr verschwinden. Aber wir dürfen es nicht zulassen, dass er einen Keil in unsere Gesellschaft treibt und uns spaltet. Paris, wir sind bei dir. Morgen sind es vielleicht wir, und kein Geschoss auf dieser Welt kann uns das nehmen, wofür wir alle stehen. Für all die feigen Attentäter, die stets bis an die Zähne bewaffnet auftauchen und in eine Menge unbewaffneter, friedlicher, freigeistiger Menschen schießen, ob in einer Zeitungsredaktion, in einem Restaurant, in einer Konzerthalle oder auf einer abgeschiedenen Insel in Norwegen, habe ich nicht einmal mehr Verachtung übrig. We used to fuck people like you in prison. 

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About the author

Bjoern Hering lebt seit über 30 Jahren in Dortmund, aufgewachsen zwischen Graffiti, schwitzigen Konzerten und haufenweise Instrumentenkabeln. Bjoern liebt das Reisen und das Entdecken von Vergänglichem inmitten von hektischem Großstadttreiben. Auf seinem Blog Last Junkies On Earth dokumentiert er das Treiben seiner Stadt.