Im FZW wird das Gaming-Image aufgebessert

Nicht knallvoll, dafür sehr entspannt und gemütlich: League of Legends watching im FZW. / Foto: David Jankowiak

Nicht knallvoll, dafür sehr entspannt und gemütlich: League of Legends watching im FZW. / Foto: David Jankowiak

Seit Jahren ist Gaming weltweit ein (mindestens wirtschaftlich) höchst ernstzunehmender Sport. In Deutschland werden Zocker meistens trotzdem noch belächelt und schlichtweg nicht ernstgenommen, zu fremd ist vielen Menschen die Welt des professionellen Computerspielens. Es gibt aber auch hierzulande zumindest Versuche, den eSport aus seinem Schattendasein heraus- und somit auch seine Fans vom Sofa herunterzuholen.

Neulich fand in Dortmund im FZW ein live viewing statt. Man kennt das ja aus dem Fußball, wenn vor allem für (inter-)kontinentale Meisterschaften in so ungefähr jeder Stadt tausende Menschen zusammen kommen um das Spiel zu schauen und bei der Gelegenheit das Zusammensein gleich noch für eine fragwürdige Party nutzen. Diesmal lief aber kein Fußball, sondern League Of Legends, ein online-Computerspiel (genau genommen heißt das Genre „Multiplayer Online Battle Arena“, kurz MOBA), das 2009 veröffentlicht wurde und mittlerweile über 60 Millionen Spieler weltweit zählt.

500er-Schallmauer noch nicht durchbrochen

Bei der viewing party im FZW am 31. Oktober letzten Jahres waren 500 Zuschauer gekommen und diese Zahl wollten die das Event veranstaltenden Dwarfy Giants (die übrigens dieses Jahr zum 2. Mal beim Juicy Beats vertreten sind) natürlich knacken. Ich erwartete also eine ziemlich große, etwas nerdige Spieleparty und war im ersten Moment dementsprechend enttäuscht, als ich den großen Saal betrat, in dem sich nur um die 250 Leute befanden. Allerdings passte diese entspannte Stimmung für einen Sonntagnachmittag eigentlich sogar ziemlich gut und überraschen konnten die Zahlen letztlich auch nicht wirklich – immerhin liefen damals im Oktober die world finals, wo die besten Clans der Welt um 2,1 Millionen Dollar gegeneinander zockten, wohingegen diesmal „nur“ die Europa- und Nordamerika-finals ausgespielt wurden.

League of Legends watching im FZW. / Foto: David Jankowiak

Für die Cosplayer wurde eine Ecke für professionelle Fotos hergerichtet. Muffi Cosplay als Dynastie Ahri. / Foto: David Jankowiak

Die Atmosphäre war gewissermaßen familiär, ohne dabei jedoch exkludierend für Außenstehende zu sein, während auf der riesigen von fettem Sound begleitet die Runden liefen, war immer ein bisschen Bewegung im Saal: Manche holten sich was zu essen oder zu trinken, andere gingen mal in den Vorraum, um selbst ein bisschen an der Konsole zu zocken, oder sich ein Bild malen zu lassen, oder aber man stand herum, quatschte, nutzte die Gelegenheit für Fotos mit den Cosplayern. Von Letzteren waren übrigens über 30 da – worauf die Dwarfy Giants auch nicht ganz unstolz waren, wie DG-Inhaber Peter Ruppelt zu entnehmen war: „Wir wollen ihnen zeigen, dass wir sie ernst nehmen. Deswegen bekommen sie einen Backstageraum, wo ihr ganzer Kram sicher ist, sie müssen nicht vorne in der Schlange warten, wo sie im Gedränge um ihr Kostüm fürchten müssen und sie werden im Laufe der Veranstaltung auf der Bühne vorgestellt.“ Überhaupt sei es enorm wichtig, bei solchen Veranstaltungen nicht nur den Livestream laufen zu lassen. „Ich versuche immer, einen Mehrwert zu bieten.“ Sonst wäre es auch schwer, jemanden davon zu überzeugen, ins FZW zu fahren, für Eintritt und Getränke zu zahlen, um einen Livestream zu sehen, den man genauso gut zuhause auf dem Sofa schauen könnte, ohne einen Cent auszugeben.

Sind Computerspiele noch immer nur Kinderkram?

Womit wir wieder bei der Stimmung wären, denn für eine Party unter Gleichgesinnten nimmt man so einen Aufwand ja womöglich eher in Kauf. Aber für entspanntes Rudelgucken? Nicht zuletzt das dürfte auch den besonders umsichtigen Umgang mit den Cosplayern erklären, denn die sind für Nerds wie Außenstehende gleichermaßen sehenswert und echt sowas wie eine Attraktion.

Also, auch wenn es nicht die ganz große Party war, die es hätte sein können: Wer für die Welt des Computerspielens was übrig hat (und das dürften mittlerweile doch ziemlich viele sein), könnte da auf seine Kosten kommen. Besonders empfehlenswert ist der Besuch des nächsten live viewings wiederum für diejenigen unter euch, die das Gaming noch immer belächeln und die sportliche Komponente im eSport nicht anerkennen (wie übrigens auch der Deutsche Olympische Sportbund). Die Zuschauer sind nicht mehr oder weniger normal als bei anderen Veranstaltungen, sie haben einfach nur ein brennendes Interesse für etwas, das es noch nicht so lange gibt und dessen in Werdegang einige Vermarktungsfehler begangen wurden. Und wer nicht versteht, was die Progamer leisten, der soll es ruhig mal selbst versuchen (zuschauen macht definitiv mehr Spaß, wenn man kein Naturtalent im Zocken ist). Sicherlich ist ein LoL live viewing keine auf Dauer massentaugliche Veranstaltung, allerdings gibt es doch inzwischen genügend videospielaffine Leute, um das FZW regelmäßig zu füllen – vielleicht wird dann auch irgendwann mal von Dortmund aus in die Welt gestreamt und nicht immer nur umgekehrt.

Foto: David Jankowiak

Umso martialischer, desto besser: Die Nightblade Irelia vom Cosplay-Duo TTime in Murderland / Foto: David Jankowiak

 

Foto: David Jankowiak

Cora_Mia als VI und Fyre Dragon als Caitlyn (rechts) / Foto: David Jankowiak

 

Foto: David Jankowiak

Cosplayer Badass Psycho Factory als Wukong Jade Dragon / Foto: David Jankowiak

 

Ja, ich konnte nicht widerstehen. Der Künstlername der Dame neben mir ist BittersweetCookie, die diesmal als Teemu auftrat. / Foto: David Jankowiak

Ja, ich konnte nicht widerstehen. Der Künstlername der Dame neben mir ist BittersweetCookie, hier als Teemo / Foto: David Jankowiak

Spread the word. Share this post!

About the author

Nachdem er seinen Job als Sportreporter an den Nagel gehangen hat, hat es Florian Kohl als Freelancer, Denker und Schreiber von Hamburg nach Dortmund verschlagen. Soziale Strömungen, Politik und vor allem gutes Essen liegen dem vormals Hardcore-Reggae-Fundamentalisten sehr am Herzen. Wer ihn heutzutage eher auf Garage-Konzerten antrifft, sollte mal lieb grüßen: You won’t see him raging as long as being treated nicely.