Mosaik aus Dortmund – eine längst vergessene Kunst

Das Mosaik im Dortmunder Hafenamt / Foto: Wolfgang Kienast

Dortmund hat so einige Geheimnisse zu enthüllen: Ob es nun um einen der weltweit größten, geheimen Luftschutzbunker geht oder um eine längst vergessene Mosaikfußboden-Manufaktur, welche weit über die Stadtgrenzen hinaus für höchste Qualität bekannt war. 

Im ausgehenden 19. Jahrhundert war Dortmund nicht nur in Sachen Kohle, Bier und Stahl präsent. Was heute längst vergessen ist: die Stadt war überdies bekannt für hier gefertigte Mosaikfußböden höchster Qualität. Auch wir hatten bisweilen noch nie davon gehört, aber dank der akribisch betriebenen Reportage von Wolfgang Kienast alias DJ Martini sind wir alle nun ein klein wenig schlauer – und ziemlich überrascht dazu.

Etabliert hatte den Markenbegriff „Dortmunder Thonmosaik“ der Architekt und Unternehmer Rudolf Leistner (1848 – 1926). Seine Kunden saßen nicht nur in der unmittelbaren Nachbarschaft, etliche Aufträge führten ihn unter anderem nach Berlin (Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, div. andere Sakralbauten, Nationaldenkmal auf der Schlossfreiheit), wo er sich in seinem Metier sogar gegen die Firma Puhl & Wagner, die Platzhirschen am Ort und „Hoflieferant Seiner Majestät Des Kaisers Und Königs“ durchsetzen konnte. 

Viele der Arbeiten aus dem Hause Leistner wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Von dem, was die Kriegsjahre überdauert hat, fiel das meiste Renovierungsarbeiten in den 50er und 60er Jahren zum Opfer, so dass nur noch sehr wenige Originalmosaike erhalten sind. Und von diesen weiß so gut wie niemand mehr, wer sie gefertigt hat. Eines seiner Werke kann man im Eingangsbereich des Dortmunder Hafenamtes besichtigen, es ist sehr gut erhalten. Ein weiteres Werk auf Dortmunder Boden findet man im alten Stadthaus.

Das Straßenmagazin bodo erinnert in seiner Februar-Ausgabe an die in Vergessenheit geratene Mosaikfabrik. Parallel wird im „Projektraum offene antworten“ (Kaiserstraße 75, 44135 Dortmund) eine Ausstellung seltener, teils unveröffentlichter Exponate gezeigt. 
Eröffnung: Sonntag, 05. Februar, 11:00 Uhr. 

Öffnungszeiten: Sonntag, Dienstag, Donnerstag jeweils von 15:00 – 18:00 Uhr

oder auf Anfrage nach vorheriger Absprache. Kontakt: post@offene-antworten.de 

Ausstellungsende: Sonntag, 05. März 2017

Auch eine alte Kogge hat Leistner gelegt / Foto: Wolfgang Kienast

Zur Ausstellung gehört eine Präsentation aktueller Perspektiven musivischer Techniken von Robert Kaller, der in Dortmund die einzige Mosaikbauschule Deutschlands leitet. 

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About the author

Bjoern Hering lebt seit über 30 Jahren in Dortmund, aufgewachsen zwischen Graffiti, schwitzigen Konzerten und haufenweise Instrumentenkabeln. Bjoern liebt das Reisen und das Entdecken von Vergänglichem inmitten von hektischem Großstadttreiben. Auf seinem Blog Last Junkies On Earth dokumentiert er das Treiben seiner Stadt.