Big Data Fail: Fitness-App verrät geheime Militärbasen

Militärs skizzierten ihre Wege in der Wüste / Foto: Nathan Ruser, Twitter

Wie wenig das Thema IT-Sicherheit in unserer Gesellschaft verankert ist, zeigt der neueste Big Fail, der heute veröffentlicht wurde: An mitunter geheimen Militärbasen im Nahen Osten und anderswo joggten Soldaten mit der beliebten Fitness App Strava umher – und zeichneten ein detailliertes Bild ihres Stützpunktes auf, welches in der neuesten „Heat Map“ der App nun peinlicherweise veröffentlicht wurde.

Die Fitness App Strava ist beliebt. Sie zeichnet u.a. eure Jogging-Strecken auf und fungiert zeitgleich als soziales Netzwerk. So kann man seine gelaufenen Kilometer mit Freunden teilen, vergleichen und ganze Wettbewerbe stattfinden lassen. Dazu harmoniert die App wunderbar mit der Apple Watch oder dem beliebten Fitness-Armband Fitbit. Die Datenmengen, die bei Strava auf diese Weise gesammelt werden, sind gigantisch: Laut Strava habe man über eine Milliarde Nutzerdaten angesammelt, dazu haben die weltweiten Nutzer über 27 Milliarden Kilometer zurückgelegt. Nun hat Strava diese Daten in einer weltweiten „Heat Map“ veröffentlicht.

Sicherheitsrisiko Fitnesstracker

Eine Laufstrecke wird auf der veröffentlichten Weltkarte als roter Strich eingezeichnet. Desto mehr Menschen diese Strecke laufen, desto gelber und größer wird dieser Strich. So zeichnet Strava ein detailiertes Abbild aller Joggingstrecken dieser Welt. In Großstädten und Parks gibt es eine gigantische Anzahl an dicken, hellen Strichen. Andere Teile unserer Erde aber bleiben dunkel und unberührt. So zum Beispiel Afghanistan, den kaum einer der Einwohner dort nutzt eine Fitness-Tracking App. Trotzdem aber zeichnen sich dort mitten in der Wüste einige rote Muster zusammen. Betrachtet man sie genauer, erkennt man geheime Militärstützpunkte, auf denen Soldaten mit Hilfe von Strava ziemlich genau die Umrisse und Straßenführungen der Gelände eingezeichnet haben. Dies ist für die dort stationierten Einheiten ein ziemliches Sicherheitsrisiko. Laut „rp-online“ sind auch deutsche Bundeswehreinheiten an diesen Punkten stationiert.

Plötzlich zeichnete sich eine geheime Basis der NSA in die unberührte Landschaft

Aber nicht nur die genauen Positionen und Straßenzüge der Militärbasen sind dort verzeichnet: Lief die App auf dem privaten Smartphone nach dem Sport weiter, so zog sie auch die genauen Logistik- und Transportwege der Einheiten in die Weltkarte ein. Ebenso gibt es Ansammlungen an Orten, an denen keine offizielle Militäreinrichtung existiert. Sollten die Leuchtspuren tatsächlich von Soldaten sein, gibt es jetzt detaillierte Hinweise auf geheime Operationspunkte der Militärs. Betroffen ist übrigens nicht nur Afghanistan: In der Veröffentlichung des Internetnutzers Nathan Ruser und weiteren Aktivisten wurden ebenso türkische und russische Truppen in Syrien gesichtet, ebenso zeichnete sich eine geheime Basis der NSA in die unberührte Landschaft von Hawaii. 

Wie unvorsichtig selbst Militärangehörige und Special Forces anscheinend mit ihren Datenspuren umgehen, zeigt dieser dicke Fail. Und auch für uns sollte es ein Reminder daran sein, wie selbstverständlich wir mit unseren Smartphones unser Leben preisgeben.

Alle Fotos: Nathan Ruser / Twitter



Teile diesen Artikel:

About the author

Bjoern Hering lebt seit über 30 Jahren in Dortmund, aufgewachsen zwischen Graffiti, schwitzigen Konzerten und haufenweise Instrumentenkabeln. Bjoern liebt das Reisen und das Entdecken von Vergänglichem inmitten von hektischem Großstadttreiben. Auf seinem Blog Last Junkies On Earth dokumentiert er das Treiben seiner Stadt.