Coronavirus schränkt Dortmunds Kulturleben ein

Illustration: Sergio Santos / License: CC BY 2.0

Am Montagabend drehte sich uns der Magen um. Bei der Covid-19 Berichterstattung in der Tagesschau wurde innerhalb von 30 Sekunden über die ersten beiden Todesopfer in NRW informiert. Im Anschluss folgte ein vierminütiger Schlagabtausch über Bundesliga und Geisterspiele. Der Beweis dafür, dass sich in der deutschen Spaßgesellschaft die Prioritäten derart verschoben haben, dass uns anscheinend keine andere Möglichkeit als angeordnete Verbote übrigbleiben. Nun ist es soweit und das ist richtig so.

Am Dienstag teilten NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf mit, dass das Land Nordrhein-Westfalen alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen untersagt und folgt damit der Empfehlung von Bundesgesundheitsminster Spahn. Als Krisenmanager beweist sich Jens Spahn seit Wochen mit sachlichen Informationen und korrekten Weisungen als guter Mann für eine Situation, auf die weder Politiker noch Bürger im Geringsten vorbereitet waren. Der grobe Schnitt unserer Mitbürger verhält sich allerdings nicht annähernd so intelligent wie unser Gesundheitsminister. Noch heute sagten mehr als 50 Prozent der Bürger in einer ZDF Umfrage aus, nicht auf Großveranstaltungen verzichten zu wollen. Im Netz protzt man damit, dass man nun in Kneipen zum Rudelgucken aufrufen würde, sobald die Stadien niemanden mehr auf die Zuschauerränge lassen. Solch ein Verhalten ist nicht nur erschreckend, es ist vollkommen unvernünftig, unverständlich und, entschuldigt die Wortwahl, selten dämlich.

Eine egoistische Spaßgesellschaft

Wenn Herr Spahn es der Bevölkerung selbst überlässt, ob sie auf Großveranstaltungen, Clubbesuche oder Konzerte verzichtet, dann passiert erst einmal so gut wie nichts in unserer Gesellschaft. „Ich muss ja auch zur Arbeit, also kann ich auch abends ins Stadion gehen“, mit solchen oder ähnlichen Argumenten rechtfertigen viele Menschen ihren verdienten Spaß zum Feierabend. Die Deutschen sind gefüllt und gesättigt, eine egoistische Spaßgesellschaft, die sich sogar in unkontrollierbaren Krisensituationen ihr Recht auf Brot und Spiele nicht mehr wegnehmen lässt. Auch wenn die meisten Covid-19 Erkrankungen eher mild verlaufen sollte sich niemand dem Risiko aussetzen, als Überträger seine Mitmenschen und Verwandten zu infizieren. Denn längst nicht jeder ist körperlich so gut situiert, dass er gegen die Krankheit ausreichend aufgestellt ist wie man selbst. Seine eigenen Eltern, Großeltern oder andere Bürger mit geschwächtem Immunsystem zu gefährden, nur weil man auf seine eigene Feierabendbespaßung nicht verzichten möchte, ist dermaßen egoistisch und unsozial, sodass nur ein ausgesprochenes Verbot diesem dummen Verhalten Einhalt gebieten kann. Leider! Denn wenn erst einmal die eigenen Eltern oder Großeltern stark erkranken oder im schlimmsten Fall sogar sterben, ist das da draußen alles nicht mehr so lustig. Bei Covid-19 handelt es sich nämlich keinesfalls um Panikmache, sondern um detailierte Aufklärung um unser Gesundheitssystem nicht vollends zum kollabieren zu bringen. Längst sind abgesagte Konzerte und Fußballspiele kein Drama mehr, sondern ein Luxusproblem einer verwöhnten und sich gegen alles stellenden Wohlfühlgesellschaft. Anstatt aufzuwachen, verbergen viele ihre Angst mit einem Schutzwall aus falscher Coolness und Gleichgültigkeit. Das sollte endlich aufhören! Wir dürfen eine berechtigte Angst an den Tag legen und müssen beginnen eigenverantwortlich zu handeln, um unsere Angehörigen und Mitmenschen zu schützen. Die Verantwortung für jeden Erkrankten und Toten liegt nicht bei den Politikern, sondern bei jedem Einzelnen in unserer Gesellschaft.

Warsteiner Music Hall sagt alle Konzerte ab

Auch in Dortmund bleiben nun die Großveranstaltungen aus und das trifft nicht nur die Fussballfans. Auch unsere Lieblingsveranstaltungen und Partner sind davon betroffen. Die Warsteiner Music Hall kündigte an, alle Konzerte bis Mitte April abzusagen. Ebenso verkündete der Nachtflohmarkt im Depot soeben, dass die Veranstaltung am Samstag nicht stattfinden wird. Da wir für den Abend als DJs gebucht wurden, haben wir uns im Vorfeld viele Gedanken zu der Veranstaltung gemacht und begrüßen die Absage des Nachtflohmarkts.

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