Festival mit Problemzonen: Way Back When IV in Dortmund

Way Back When 2017, Roosevelt im FZW / Foto: Klaus Hartmann

Mit einem grandiosen Abschlusskonzert von Roosevelt war es am Sonntagabend vorbei, das mittlerweile 4. Way Back When Festival in Dortmund. Die Menschen, mit denen ich dort sprach, hatten am Ende des dritten Abends eine geteilte Meinung zum Gesamtpacket Way Back When. Was war gelungen, was kann man verbessern?

Die Kritik vorweg: Der Ticketpreis war für das gebotene Programm einfach zu teuer. Das scheint der Konsens zu sein, wenn man mit den Gästen vor Ort spricht. Ein nerdiges, hipster-esques Indieprogramm, welches sich an viele junge Leute richten soll, lag mit einem Tagespreis von fast 40 Euro und einem Dreitageticket für fast achtzig Euro deutlich über dem, was junge Menschen in Dortmund so ausgeben würden. Auch der konsequente Preisanstieg des Festivals wurde bemängelt, 2015 lag das Tagesrticket noch bei 30 Euro. Das merkte man auch an der Besucherzahl: So richtig bis zum Platzen voll machten selbst die Samstags-Headliner Portugal. The Man die große Halle des FZW nicht.

Die Bühne im Dortmunder View ging die Abende über oft mit wenigen 30 Gästen (so berichtete man den Last Junkies On Earth) leider viel zu leer aus, Leute, die die Shows in der Pauluskirche besucht haben, konnte ich nicht finden. Zu dem gesellt sich ein zweiter Wermutstropfen. Wer eine Band in dem kleineren Club des FZW sehen wollte, musste im Laufschritt die Hallen wechseln, denn wer Pech hatte, der kam nicht mehr rein. Das ist bei dem zuvor genannten Ticketpreis natürlich mehr als ärgerlich! Erlebt habe ich es selbst: Am Sonntag wollte ich die Berliner Band GURR sehen, leider musste ich vor der Tür bleiben. Wurde die Besucherzahl des Clubraums also schnell überschritten, so war die Besucherzahl in der Halle steht´s zu gering. Dazu gesellten sich zwei weitere Bühnen, das VIEW und die Pauluskirche, beide mit geringen Besucherzahlen. Fazit: Zu teuer, überdimensioniert und teilweise doch zu klein. Ob man demnächst nicht nur die drei Räume des FZW bespielen sollte und das Catering auslagert, wäre vielleicht zu überdenken.

Way Back When 2017, Publikum bei J. Bernardt im FZW / Foto: Klaus Hartmann

Auch vom Reeperbahnfestival in Hamburg kennt man die Begrenzung der Gäste in den Locations. Doch dort ist die Auswahl einfach größer, dem Preis eher angemessen. Das Konzept geht in Hamburg nun mal ganz anders auf als in Dortmund. Nicht desto trotz haben wir einige tolle Konzerte sehen dürfen. Ob Drangsal, Portugal. The Man, Slowdive, Ducktales, Roosevelt, Gurr oder Leoniden. Ich habe mitbekommen, dass jeder Besucher sein ganz persönliches Highlight hatte. Dazu lobten viele die ruhige und entspannte Atmosphäre der Abende. Way Back When, dass scheint ein Festival für die Seele, man kommt bereichert nach Hause, nicht ausgelaugt. Ein ganz entscheidender Pluspunkt für das Indiepop-Spektaktel. Ich hoffe, dass nicht nur das Way Back When konstant weiter an seinen Stellschrauben feinjustiert, sondern dass die andere Hälfte von Dortmund auch endlich aufwacht und bemerkt, dass sie wieder einmal ein hochkarätiges Musikfestival verpasst haben. Denn das sind wir Dortmunder leider auch: Hüftfaul. Das Way Back When ist zu einer tollen Institution geworden und es wäre schade, wenn es demnächst den Standort wechseln oder wegfallen würde. 

Für die Way Back When Fotoserie hat sich der Fotograf Klaus Hartmann für die Last Junkies ins Getümmel gestürzt:

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About the author

Bjoern Hering lebt seit über 30 Jahren in Dortmund, aufgewachsen zwischen Graffiti, schwitzigen Konzerten und haufenweise Instrumentenkabeln. Bjoern liebt das Reisen und das Entdecken von Vergänglichem inmitten von hektischem Großstadttreiben. Auf seinem Blog Last Junkies On Earth dokumentiert er das Treiben seiner Stadt.