Toilettenentertainment auf Holländisch

Der Gang auf die Toilette ist für viele Menschen etwas, das sie am liebsten klammheimlich vollziehen, ohne dass jemand überhaupt davon Notiz nimmt. Bewohnt man eine Wohnung oder ein Haus nicht alleine, ist das etwas schwierig, aber diese Personen stehen einem allein schon wegen des gemeinsamen Alltags in der Regel so nah, dass man sich damit arrangieren kann. Damit, dass andere wissen, dass man aufs Klo geht und mit dem konkreten Wissen, dass auch andere aufs Klo gehen.

Schwieriger wird es allerdings, wenn man sich im öffentlichen Raum bewegt und der Körper dann doch aller Vorkehrungen zum Trotz seine Bedürfnisse anmeldet. Man kann versuchen, es auszuhalten, aber das ist mehr Krampf als sonstwas. Und man hat sich daran gewöhnt, sich in Notfällen dann doch mal kurz zurückzuziehen. Irgendwie ist ja durch diesen separaten Raum, in dem sich die Toiletten für gewöhnlich befinden, auch noch ein Hauch von Diskretion gewahrt. Auf einem Festival hingegen fehlt diese komplett, dort bekommt der Klogang schnell einen etwas eher animalischen Touch und wird so wieder eher zu etwas, wofür die Leute sich schämen.

Theater mit großem Unterhaltungswert

Damit diese unvermeidlichen Momente die Menschen beim Festival nicht aus ihrer Feierlaune heraus in die nüchterne Realität zurückholen, haben die Veranstalter des Valkhof Festivals in Nijmegen die Frauentoilette via Toilettenentertainment kurzerhand zu einem Partyzelt umfunktioniert. Die Firma, unter deren Federführung diese weiße funky Kloparty entstand („The Plees To Be„) ist übrigens tatsächlich genau darauf spezialisiert: Toilettentheater. Das ist manchen Frauen zwar ein bisschen peinlich gewesen, aber immerhin kam keine heraus, ohne mindestens zu lächeln. Wie die Angestellten das mehrere Tage am Stück von Mittags bis in die Nacht hinein schaffen, ohne entweder völlig Banane im Kopf zu sein oder sich mit Drogen vollzupumpen, bleibt uns ein Rätsel – aber ist doch irgendwie auch egal, solange sie großartig (nochmal: GROßARTIG!) unterhalten. Und wer sich an sowas ebenso erfreuen kann wie wir, dem empfehlen wir einen Blick in den Schritt des Herren, der zum Schluss vor der Kamera tanzt.

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About the author

Nachdem er seinen Job als Sportreporter an den Nagel gehangen hat, hat es Florian Kohl als Freelancer, Denker und Schreiber von Hamburg nach Dortmund verschlagen. Soziale Strömungen, Politik und vor allem gutes Essen liegen dem vormals Hardcore-Reggae-Fundamentalisten sehr am Herzen. Wer ihn heutzutage eher auf Garage-Konzerten antrifft, sollte mal lieb grüßen: You won’t see him raging as long as being treated nicely.