subrosa: Warnschuss oder Schuss ins Knie?

Foto: rocor / flickr / License: CC BY-NC 2.0

Die Nachricht, dass das subrosa schließen wird, brachte beachtliche Beileidsbekundungen im Netz, sowie ungeahnte Besucherzahlen an den letzten „Funural Days“, wie Besitzer Cornel Alex das letzte Wochenende nannte. Alle waren traurig, einzig Cornel Alex stand vor seinem Laden und sah gar nicht so unglücklich aus.

Heute gab der Mann, der das subrosa seit über 25 Jahren aufgebaut hat und bis heute betreibt, in einer selbst verfassten Pressemitteilung bekannt, dass er anscheinend in Sachen viraler und medialer Vermarktung in den letzten zwei Jahren in Dortmund nicht geschlafen hat:

„Jenes wie die dazugehörige Veranstaltung auf der Homepage waren bewusst kryptisch formuliert. Und es kam, wie gedacht, in Zeiten der #fakenews. Ich sage danke, denn der anschließende #run blieb nicht aus, sondern war sogar unerwartet groß.“

Den Nektar saugen, wie schon beim Spirit vor einem Jahr in Dortmund vorgemacht, wollte man nun anscheinend auch mal hier. Die Schuld an all dem Hype und der Hysterie gab der sozialphilosophisch denkende Gastronom uns: den Bloggern.

„Das wäre so nicht nötig gewesen. Nicht, wenn sich auch nur ein/e Redakteur/in und/oder Blogger/in, die sich ja gerne mal für die besseren Journalist/inn/en halten, die Mühe gemacht hätte, dort zu recherchieren, wo es sich gehört: an der Quelle. Und zwar eingehend.“

Stimmt so nicht. Eine telefonische Anfrage der Nordstadtblogger an C. Alex blieb bis heute unbeantwortet. Und jetzt wird es wirklich witzig: Da gab es laut neuestem Presseanschreiben tatsächlich ein „verstecktes Bild“ (!!) in der Veranstaltung.

 „…und da kommt niemand auf die Idee bzw. nimmt sich die Zeit, mal eingehend die Quelle zu studieren, obwohl gar keine Pressemitteilung vorliegt?“

Kryptisch verschwurbelte Texte, rätselhafte Bilder und am Ende Anschuldigungen und Polemik: In seiner neuesten Pressemitteilung wird C. Alex nicht müde, von einem „traurigen Zustand moderner Zeiten“ zu sprechen, sowie von der „Oberflächlichkeit sozialer Netzgemeinschaften“. Zum Verständnis: Hier schreibt kein trauriger Sozialkundelehrer seine finalen Worte. Den ganzen Text eines anscheinend müde gewordenen Barbetreibers könnt ihr übrigens drüben bei den Nordstadtbloggern im Original (Kommentarfeld zum Artikel über die Schließung des subrosa) lesen. 

Wir nehmen die Dortmunder Kulturtreibenden immer sehr ernst. Es waren unter anderem die Dortmunder Blogger, die nicht müde wurden, das Treiben und Engagement des subrosa für die Dortmunder Subkultur immer wieder zu pushen und zu betonen. Eigentlich sollten wir dieses eklige, mediale Spielchen gar nicht mitmachen, denn es ist schon anmaßend, uns ins offene Messer laufen zu lassen und anschließend eine Pressemitteilung an uns zu schicken, in der steht, wie dumm wir doch alle sind. Da aber auch wir unsere Leser mit einer Desinformationskampagne verunsichert haben, sehe ich es als richtig an, hier noch einmal kommentatorisch auf die neuesten Entwicklungen einzugehen.

Wir finden es ja eigentlich ganz unterhaltsam, wenn man als Barbetreiber kleine Bilderrätsel verteilt und erwartet, dass das Telefon klingelt, weil das ja alles so gar keinen Sinn ergibt. Leider fehlt uns tatsächlich häufig die Zeit für solche Spielchen, den wir sind nicht von den drei ???, sondern oft nur Multiplikatoren für eine Handvoll Menschen, deren Inhalt wir vertrauen. Unsere Nachforschungen im engen Umkreis des subrosa haben selbst unter der Hand keinen Hinweis darauf gegeben, dass die Nachricht von der Schließung nicht wahr sein könnte. Telefonische Anfragen blieben unbeantwortet. Wäre dem subrosa der Verlauf der #fakenews unangenehm gewesen, hätten wir mit einem frühzeitigen Aufschrei des Betreibers gerechnet. So aber sieht es sehr nach einer einkalkulierten Desinformationskampagne aus. Nun waren die Gäste alle nochmal da, und obendrein gab es hunderte trauriger Emojis als Schulterklopfer obendrauf. Wenn man persönliche Befindlichkeiten und knallhartes Tagesgeschäft vermischt, ist es vielleicht wirklich Zeit für eine Pause. Cornel Alex schließt mit den Worten: „Ich bin einfach nur zu alt. Burn out my love“, und teilt nun mit, dass er zwar eine Beerdigungsparty gemacht hat, dass die Hafenschänke aber nicht komplett schließt. Gesucht wird lediglich ein/e NachfolgerIn und bis dahin bleibt es erstmal so, wie es war. Ob das ein Warnschuss vor den Bug war, oder ein Schuss ins Knie, dass muss jeder selbst entscheiden. Für einen neuen möglichen Betreiber war es ein Bärendienst.

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About the author

Urbanist, DJ und ethischer Hacker aus Dortmund. Aufgewachsen zwischen Graffiti, schwitzigen Konzerten und haufenweise Instrumentenkabeln. Bjoern liebt das Reisen und das Entdecken von Vergänglichem inmitten von hektischem Großstadttreiben. Auf seinem Blog Last Junkies On Earth dokumentiert er das Treiben seiner Stadt.