„Ich finde es cool, dass die Künstler für einen Sonntag kommen, ohne zu wissen, was sie erwartet“

Malte und Jenny von "Songs & Cakes"

Die Köpfer hinter „Songs & Cakes“: Malte und Jenny. / Foto: LJOE

Seit mehr als einem Monat läuft im Rekorder mittlerweile die Veranstaltungsreihe Songs & Cakes, zu der sich alle zwei Wochen Musikliebhaber sonntagnachmittags einfinden, um dort mithilfe von Kaffee, Kuchen und Singer-Songwriter-Musik entweder ihren Kater abzuschütteln oder ein entspanntes Wochenende ausklingen zu lassen. Von den erstmal angesetzten 5 Terminen ist nun über die Hälfte durch – ein guter Zeitpunkt, um mal mit den Schöpfern zu sprechen. Wir haben Malte und Jenny passenderweise auf einen Kaffee im Neuen Schwarz getroffen.

LJOE: Jenny, Malte, wie zufrieden seid ihr mit Songs & Cakes jetzt nach den ersten 3 Terminen?

Malte: Oh, sehr zufrieden! Dass es so gut läuft hätten wir nicht gedacht.

Jenny: Bei der Premiere mit Frère waren so viele Leute da, dass sie während des Konzerts sogar hinter und neben ihm standen. Wir haben uns vorher zwar keine genauen Zahlen ausgedacht, aber jedes Mal zwischen 60 und 80 Leute da zu haben, ist schon überraschend.

LJOE: Auffällig ist, dass bisher noch keiner eurer Künstler aus Dortmund kam. Woran liegt das?

Malte: Wir haben hier eine super Szene, aber die Leute dürfen nicht den Eindruck bekommen, dass in Dortmund immer nur dieselben Bands auftreten. Es ist aber nicht so, als wollten wir deshalb Bands von hier bewusst ausschließen – wir haben auch schon einige angefragt, aber es hat terminlich einfach nie gepasst. Aber wir arbeiten eben auch daran, Bands von außerhalb zu holen, weil wir finden, dass das der Szene hier zugute kommt.

LJOE: Angesichts des freien Eintritts und der damit verbundenen ungewissen Gage hätte ich erstmal nur Künstler von hier erwartet.

Malte: Eigentlich habe ich mir das auch erst so vorgestellt. Aber dann waren irgendwie total viele davon angetan und haben zugesagt. Jetzt haben wir eine Liste mit Künstlern, die wir immer wieder mal fragen, wann sie Zeit haben.

„Bisher waren alle Künstler verkatert und wollten erst Wasser statt Kuchen“

Jenny: Ja, Frère aus Bochum ist eigentlich der einzige von hier…

Malte: …und David Alders, der kommt ja aus Essen. Das sind die beiden Ruhrgebietskünstler. Zwei (Hello Piedpiper und Safetyville) kommen aus Köln und Emily’s Giant war neulich sogar aus Leipzig da. Das war ziemlich cool, der wollte nämlich eigentlich nicht mehr als die 60 Euro, die er für das Zugticket zahlen musste.

LJOE: So wie der Klingelbeutel aussah, dürfte er aber mit mehr rausgegangen sein.

Malte: Auf jeden Fall, er war bisher der Spitzenreiter und ist mit ordentlich Patte rausgekommen. Da sind wir auch echt happy, dass immer Hutgeld in Höhe einer richtigen Gage zusammenkommt.

schwedische Mandarinentörtchen @ Songs & Cakes, Rekorder, Dortmund

Foto: Songs & Cakes

LJOE: Das heißt?

Jenny: 200 Euro ungefähr. Also zwischen 150 und 200.

Malte: Das spricht total für die Künstler, aber auch für das Publikum. Der Künstler ist es anscheinend wert und das Publikum ist bereit, das zu honorieren – was ja auch nicht selbstverständlich ist.

Jenny: Ich denke, wenn wir Eintritt nehmen würden, käme nicht so viel zusammen.

Malte: Kann ich mir auch vorstellen – allerdings wäre es natürlich mal interessant zu wissen, wie abhängig das davon ist. Ich finde es aber auch cool, dass die Künstler für einen Sonntagnachmittag kommen, ohne zu wissen, was sie erwartet.

LJOE: Wie schwer ist es denn unabhängig vom finanziellen Aspekt, Künstler für einen Sonntagnachmittag zu begeistern? Viele sind sonntags ja doch etwas fertig.

Jenny: Naja, bis jetzt waren auch alle verkatert. Man bietet ihnen dann zwar Kuchen an, aber zuerst wollen sie Wasser. Probleme haben wir da trotzdem überhaupt nicht. Im Gegenteil, mittlerweile bekommen wir schon wöchentlich Anfragen, weil die Leute bei uns spielen wollen, sodass wir zum Teil gar nicht mehr suchen müssen. Das Konzept kommt offenbar ganz gut an, irgendwie füllt es eine Lücke.

Frère-Konzert bei Songs & Cakes im Rekorder, Dortmund. Foto: Theresa Albers

Foto: Theresa Albers

LJOE: Das heißt, die Sache ist nicht auf die vorab kommunizierten 5 Termine beschränkt und ihr plant im Hintergrund weiter?

Malte: Klar, aber das wird noch spannend. Denn dafür, dass wir keine Gage versprechen können, ist das Niveau ist schon ziemlich hoch. Am Anfang packst du dafür noch deine Connections aus, aber irgendwann ist das aufgebraucht. Aber wie Jenny schon meinte, fragen die Künstler mittlerweile ja schon von sich aus bei uns an. Letztens meldete sich zum Beispiel eine aus Kopenhagen, mit der wir jetzt auch in Kontakt sind.

Jenny: Dann könnten wir Songs & Cakes auch mal im Sommer machen, was ich sehr cool fände.

Malte: Genau, der Rekorder hat schließlich so schöne große Fenster. Wenn man die öffnen und noch ein wenig die Straße oder den breiten Gehweg mitbeschallen könnte…da würde sich sicher eine schöne Eigendynamik entwickeln. Das wäre ziemlich urban, finde ich.

Jenny: Und dazu gäbe es dann Eis. Wir haben in der Familie 3 Eismaschinen, die kann ich ja schonmal reservieren.

Malte: Oder man stellt einen Eiswagen hin, da gibt es inzwischen ja echt coole Anbieter. Beim Summersounds hatte ich immer welche aus Bochum da. Beim „Sommer am U“ stand ja auch oft einer.

Kaffeekränzchen vor dem U

LJOE: Apropos „Sommer am U“… Malte, du hattest mir neulich von eurem Vorhaben erzählt, Songs & Cakes auch da zu veranstalten. Was ist da denn jetzt der Stand und wie sieht euer Konzept aus?

Malte: Also der Antrag ist in Kooperation mit dem U schon beim Regionalverband Ruhr eingereicht. Wir haben da aber noch nichts konkret geplant, weil wir nicht wissen, wie lange es dauert, bis man da Bescheid bekommt.

Jenny: Aber das ist ja nicht im Rahmen von „Sommer am U“…

Malte: Jein. Das würde ins Programm aufgenommen, allerdings wäre es ein Samstag und es hätte auch eine ganz andere Größenordnung als eine klassische Veranstaltung bei „Sommer am U“. Da spielt ja normalerweise nur eine Band oder so und wir wollen das größer aufziehen. Den ganzen Platz ausnutzen, indem wir das gastronomische Angebot erweitern und Sitzgelegenheit ausbauen. So im Kaffeekränzchen-Style. Mit Sonnenschirmchen und englischem Teeservice. Es wäre cool, wenn das klappen würde. Und wir haben auch Mittel beantragt, um mal einen etwas größeren Headliner buchen zu können.

LJOE: Was heißt ‚ein bisschen größer‘?

Malte: Natürlich schon in dem Szenebereich, aber man könnte dann auch mal 2000 Euro zahlen. Und falls es nicht klappt, kann man ja auch noch immer einfach an einem Sonntag eine Band spielen lassen.

Jenny: Wir haben jedenfalls schon sehr viele Ideen, da ist es natürlich schade, dass wir noch nicht planen können.

LJOE: Eine Besonderheit bei euren Sonntagskonzerten ist, dass die meisten Leute dort tatsächlich Kaffee oder sowas in der Hand haben. Normalerweise ist der Rekorder ja ein absoluter Bier-Schuppen.

Jenny: Das stimmt, aber das kippt meistens am späteren Nachmittag. Nach dem Konzert fangen die Leute dann an, Bier zu trinken. Bei Emily’s Giant ging es richtig lang und da ging auch viel Bier über den Tresen.

„Man kann sein Katerleid teilen, es lindern und sich trotzdem darin suhlen“

Malte: Also ich muss sagen, dass Bier für mich irgendwie zu Konzerten dazugehört. Allerdings passen Kaffee und Kuchen halt doch ganz gut zum Sonntag.

LJOE: So wie das ganze Konzept von Songs & Cakes eben, auch mit der Singer-Songwriter-Schiene. Die Leute sind sonntags schließlich oftmals etwas hinüber vom Wochenende.

Malte: Ja, du kannst in der gemütlichen Atmosphäre bei entspannter Musik dein Katerleid lindern, indem du es mit anderen teilst und in der Stimmung aufgehst, dich aber trotzdem drin suhlen.

Jenny: Ich glaube aber, für die Künstler ist es gar nicht so leicht, solche Konzerte zu spielen. Eben weil die Leute nicht betrunken sind, sondern aufmerksam und total fokussiert.

Malte: Ich denke auch, dass es schwieriger ist als vor 100 Leuten. Es gibt keine schützende Dunkelheit, keine Bühne, keinen Abstand zum Publikum. Und damit geht auch jeder anders um. „Hello Piedpiper“ war total professionell zum Beispiel, wohingegen „Emily’s Giant“ ziemlich Rock’n’Roll war. Und das ist auch etwas, was uns ziemlich freut: Dass bisher jedes Konzert ganz anders war und man so alle zwei Wochen im selben Veranstaltungsrahmen immer etwas neues erleben kann.


 

Nachtrag: Am Sonntag, dem 21.02. wird es bei Songs & Cakes zum ersten Mal eine Frauenstimme zu hören geben. Los geht’s wie immer gegen 15 Uhr, früher kommen wird aber (auch von uns) empfohlen. Wir bedanken uns bei Malte und Jenny, dass sie sich die Zeit für so ein ausführliches Gespräch genommen haben und entlassen euch in den Samstag mit diesem Video von Radio Fritz, das einen schönen Vorgeschmack auf die Kölnerin Safetyville gibt:

 

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About the author

Nachdem er seinen Job als Sportreporter an den Nagel gehangen hat, hat es Florian Kohl als Freelancer, Denker und Schreiber von Hamburg nach Dortmund verschlagen. Soziale Strömungen, Politik und vor allem gutes Essen liegen dem vormals Hardcore-Reggae-Fundamentalisten sehr am Herzen. Wer ihn heutzutage eher auf Garage-Konzerten antrifft, sollte mal lieb grüßen: You won’t see him raging as long as being treated nicely.

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