Michel de Broin: Silent Shouts ist eine beeindruckende Fotoserie von Scratch Graffitis

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Ein Zeichen seiner selbst zu hinterlassen ist ein urmenschlicher Drang, der von den ersten Höhlenzeichnungen bis zu den Codes und Symbolen des Graffiti unserer heutigen Städte reicht. Der kanadische Künstler Michel de Broin zeigt sich in seiner zeitgenössischen Fotoserie „Silent Shouts (2008)“ als aufmerksamer Beobachter einer parallelen Kommunikation zwischen verschlossenen Bahnreisenden und brutalen Graffiti-Scratches, die wie eine Auflehnung gegen bürgerliche Identität und Anonymität in die Fenster der Wagons gekratzt wurden. Und es ist genau diese Leere, das ewig Hinterlassene, das diesen Bildern ihre Kraft gibt.


Zu oft als Vandalismus beschrien, werden die Tags beim Betrachten von de Brois Bildern zu einer Ansammlung kollektiver Lebenszeichen. Sie sprengen plötzlich alle Vorurteile von der Einsamkeit in der Stadt, schreien geradezu nach persönlicher Freiheit und Nonkonformismus. In Sketchbooks geboren, „brechen sie explosiv hervor und projizieren sich in unsere Realität wie ein Schrei, als Einwurf, als Anti-Diskurs, als Absage an jede syntaktische, poetische und politische Elaboriertheit , als kleinstes, radikales, durch keinerlei organisierten Diskurs einnehmbares Element.“ (Jean Baudrillard: Kool Killer)


Silent Shouts (2008) alle Photos (c) Michel de Broin

http://micheldebroin.org/

 

 

 

 

 

 

 

 

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About the author

Bjoern Hering lebt seit über 30 Jahren in Dortmund, aufgewachsen zwischen Graffiti, schwitzigen Konzerten und haufenweise Instrumentenkabeln. Bjoern liebt das Reisen und das Entdecken von Vergänglichem inmitten von hektischem Großstadttreiben. Auf seinem Blog Last Junkies On Earth dokumentiert er das Treiben seiner Stadt.

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