Donnerstag: Gee & the Plastic Strings im Sissikingkong

 

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Gee and the Plastic Strings / Foto: Alexander Hügel

Mit unerhörten Spieltechniken bearbeitet Gee and the Plastic Strings seine Geige, verfremdet den Ton mit elektronischen Soundeffekten und lässt die musikalischen Mosaiksteine von einem Loop-Sampler vervielfältigen. Diesen Donnerstag spielt er am elektrischen Kamin im Sissikingkong.

Wenn Raimund Gitsels, vielen Dortmundern bekannt als Geigenspieler von Honigdieb und den damaligen Phantoms of Future, seine Violine durch Loopstationen und Effektboards schleift, dann beginnt man sofort zu träumen. Mit geschlossenen Augen mag man es kaum glauben, doch entspringt – bei allem elektronischen Aufwand – der orchestrale Gesamtklang tatsächlich nur einer einzelnen Violine. So entstehen atmosphärische Soundscapes, minimalistische Kompositionen und postrockige Songs – ein musikalisches Storyboard, dessen Geschichten geschichteten Klangkonstruktionen entspringen.

Neben seiner zweiten Band Octafish, die sich auf Industrial Fake Jazz spezialisiert hat (wie immer das wohl klingen mag!), ist der Geigen-Profi aus der Ruhrstadt als Gee and the Plastic Strings unterwegs. Seine Auftritte sind stets verrückt. Violinen-Loops in Echtzeit, Gesang, Pedale treten: In den ersten zehn Minuten seiner Live Show ist man meist so beeindruckt, dass man schnell vergisst, an seinem Getränk zu nippen. Ein ganzes Jahr hat Gee nun an seinem Album gebastelt. Die Arbeit hat sich gelohnt: Childish Behaviour in Adult Relationships, so der Titel des Albums, ist mit das abgefahrenste Ding, was mir in letzter Zeit so begegnet ist.

Gee hat Vorbilder, und Owen Pallett, seines Zeichens Violinenspieler von the Arcade Fire und Radiohead, gehört definitiv dazu. Und würde Gee Gitarre spielen statt Geige, würde sein Album mich sehr an Werke von Thurston Moore (ex-Sonic Youth) erinnern. In seinen Songs navigiert Gee zielsicher durch die Labyrinthe in seinem Kopf. Atmosphärische Soundscapes, Arpeggios, verspielte Arrangements: Gee ist immer der Herr in der Mitte und kontrolliert das ständig drohende Chaos, während die Loops und Arpeggios um ihn herum in der Luft zu schweben scheinen. So ist er minutenlang eingespannt in einer Welt, die er für sich ganz allein geschaffen hat und die nur er selbst auch wieder beenden kann. Die geloopten Streicher benutzt er dazu als praktische Leinwand, auf die er spielerisch alles projizieren kann, wonach ihm der Kopf steht. Ein Tüftler, ein Künstler, der im Zentrum des Albums sitzt, an der Leitstelle seines Universums, und die Fäden, bzw. Saiten fest im Griff hat. Live steht Gee dann wieder vor uns auf der Bühne und beginnt damit, sich selbst zu klonen – nach wenigen Minuten haben wir eine ganzes Dutzend eigensinniger Gees, die unisono den Hörer und das Publikum verzaubern.

 

gee02Unbedingt ansehen:
Gee and the Plastic Strings
am Donnerstag, den 16. November 2017
um 20:00 Uhr
im SISSIKINGKONG, Landwehrstraße 17, Dortmund – Nordstadt
im Rahmen der Reihe EKAMINA, Abende am elektrischen Kamin.
Eintritt: 5,- Euro

 

 

 

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About the author

Bjoern Hering lebt seit über 30 Jahren in Dortmund, aufgewachsen zwischen Graffiti, schwitzigen Konzerten und haufenweise Instrumentenkabeln. Bjoern liebt das Reisen und das Entdecken von Vergänglichem inmitten von hektischem Großstadttreiben. Auf seinem Blog Last Junkies On Earth dokumentiert er das Treiben seiner Stadt.