Die Schimmel-Protokolle von Dortmund

Blue Lagoon / Foto: Küchendienst

Schimmel all over the place: „Blue Lagoon“ / Foto: Küchendienst

Das WG-Leben hat so seine Tücken. Es braucht viel Toleranz, um miteinander klarzukommen, ganz ohne Regeln geht es meistens jedoch auch nicht. Ein Klassiker unter den WG-Absprachen ist das Aufräumen, Putzen, Spülen und gerade das Unterlassen von letzterem kann üble Folgen haben. Mit dem richtigen Nährboden und ein wenig Wärme bilden sich spektakuläre Gebilde aus Schimmel. Die Jungs von Küchendienst halten die schönsten Exemplare mit ihrer Kamera fest.

Kaum jemand kennt das nicht: Da will man in der ohnehin schon kleinen Küche kochen und dann fehlt der eine große Topf, in den man die Spaghetti werfen kann. Als man ihn entdeckt und den Deckel hebt, fällt man beinahe nach hinten um, denn in der Dunkelheit haben Pilze ein feines, komplexes, teilweise sehr farbenfrohes Geflecht aus Schimmel gewoben. Ungefähr so ging es Max Slobodda und Nikita Kakowski vor etwas über einem Jahr – doch die beiden Langzeitstudenten der Fotografie kippten das vergammelte Essen nach einer kurzen Verschnaufpause und einem staunenden Blick nicht weg, sondern fotografierten es.

Das war die Geburtsstunde des Künstlerkollektivs Küchendienst und seitdem ging ihr Projekt quasi durch die Decke. Medien aus der Ukraine, den Niederlanden, England und den USA sowie die Vice berichteten über die seltsamen Künstler aus der Dortmunder Nordstadt, die Schimmel zu einer neuen Ästhetik verhelfen. Neben dem großen positiven Echo auf ihre Arbeit durften sich Max & Nikita aber auch schon allerlei Beleidigungen anhören („Das ist doch keine Kunst“).

Jetzt bekommt das Künstlerkollektiv Künchendienst auch noch seine erste eigene Ausstellung, vom 6. bis 29. Mai werden die schimmligen Fotos bei Tapir zu sehen sein. Zur Vernissage gibt’s noch ein wildes Konzert von Glitterminister sowie musikalisches Beiwerk von Nikita selbst. Start ist 20 Uhr, Eintritt wie gewohnt frei und Getränke wie gewohnt sagenhaft günstig.

Klar, eine gewisse Faszination sollte man für derlei Dinge schon mitbringen und Offenheit für künstlerische Andersartigkeit sowieso. Aber lasst die Bilder ruhig mal auf euch wirken – die Schönheit der Natur steckt definitiv auch im Schimmel.

Oder, wie Bob Ross immer sagte:

Bob Ross: Beauty is everywhere

 


Noch ein paar Schimmel-Fotos gefällig? There you go!

Der letzte Schrei / Foto: Küchendienst

Der letzte Schrei / Foto: Küchendienst

Yellow Submarine / Foto: Küchendienst

Yellow Submarine / Foto: Küchendienst

Gravity / Foto: Küchendienst

Gravity / Foto: Küchendienst

Fliegenkarussell / Foto: Küchendienst

Fliegenkarussell / Foto: Küchendienst

 

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About the author

Nachdem er seinen Job als Sportreporter an den Nagel gehangen hat, hat es Florian Kohl als Freelancer, Denker und Schreiber von Hamburg nach Dortmund verschlagen. Soziale Strömungen, Politik und vor allem gutes Essen liegen dem vormals Hardcore-Reggae-Fundamentalisten sehr am Herzen. Wer ihn heutzutage eher auf Garage-Konzerten antrifft, sollte mal lieb grüßen: You won’t see him raging as long as being treated nicely.