Das Fink schließt am 23. Dezember seine Türen

Salon Fink, Nordmarkt Dortmund

Am 23. Dezember wird das FINK auf dem Nordmarkt schließen. / Foto: Facebook

Das ist eine bittere Nachricht für alle Nordstadt-Freunde: Nach etwas mehr als sieben Jahren wird das FINK auf dem Nordmarkt am 23. Dezember schließen. Was dies für das Kultur- und Szeneleben tatsächlich bedeutet, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nur erahnen. Eines aber ist sicher: der Einschnitt wird für viele nicht schmerzlos bleiben.

Einfach war es nie für Betreiberin Kati Elinghoff, aber der besondere Charme aus 60er Deko, Biergarten, Café und Bar mit einer kleinen roten Bühne, auf der regelmäßig lokale sowie internationale Indie-Bands stehen, lockt seit über sieben Jahren ein treues Publikum mitten ins Epizentrum der Nordstadt. Nicht einfach, weil der reine Standort des niedlichen Bungalows schon vor sieben Jahren viele Erstbesucher abschreckte. Die Gegend rund um den Dortmunder Nordmarkt gilt von je her als eine der raueren Gegenden, durchdrungen von Armut, Massenzuwanderung und Drogenszene. Um so schneller entwickelte sich das Fink zu einer Oase inmitten des täglichen Reibens. Die Dortmunder Nordstadt steht für ein ständiges Durch– und Übereinander der sozialen Schichten und der kulturellen Rituale, eine chaotische Verdichtung, eine Art Superkompression, die das Gegenteil von gepflegt-hochpreisigem Zombifikations-Urbanismus ist. Reizvoll wegen der Ambivalenz dieses Stadtteils, ist das Fink nicht nur für viele heimische Künstler und Lebenskünstler seit seinem Bestehen allabendlicher Anlaufpunkt. Für viele Nordstadt-Bewohner ist Eilinghoffs Ladenlokal viel mehr als nur eine Bar. In den letzten Jahren schuf Eilinghoff für die Dortmunder ein Wohnzimmer, einen urgemütlichen Wohlfühlraum, in dem sich allabendlich die Menschen treffen, die diesen Teil von Dortmund nicht aufgeben wollen. 

Hunderte Indie-Bands standen bis heute auf der kleinen Bühne, ob aus Dortmund, Skandinavien oder bis aus den USA, und jede von ihnen hatte einen fantastischen Sound, denn die Akustik des kleinen Salons ist einfach perfekt für Konzerte dieser Art. Verdammt oft tropfte der Schweiß von der Decke, denn mit 50 Personen ist es hier schon massig voll. Fantastische Parties wurden veranstaltet, DJs wie Martini, Steven Basscom, Alex Sound (La Palma, Kanarische Inseln), Alex Gasulla (Lleida, Spanien) oder das Stuntcat DJ Set erlebten hier zusammen mit den Besuchern unvergessliche Abende.

"Wenn alle weggehen würden, würden die Zombies gewinnen" - Kati Eilinghoff betreibt mit viel Liebe das FINK auf dem Nordmarkt / Foto: Alexander Hügel

Kati Eilinghoff betreibt mit viel Liebe das FINK auf dem Nordmarkt / Foto: Alexander Hügel

Sonntags gibt es im Fink nach wie vor ganz traditionell den Tatort auf Großleinwand zu sehen, mit Blumenkohlauflauf und Mörderquiz. Legendär sind die Action-Trash Lesungen von Dond und Kati, die den kleinen Laden mit Konfetti, Action Trash Team und guter Laune, ja, überfluteten, kann man sagen. Unvergessen auch die 24-Stunden-Ulysses Lesung, in der tatsächlich 1008 Seiten am Stück gelesen wurden. Künstler wie Sascha Bisley gehen im Fink ein und aus, er war es, der ein Produktionsteam von ARTE mit in den Salon schleppte, das gar nicht mehr gehen wollte, so begeistert waren sie von dem Flair und dem Haselnassschnups. Der Theaterregisseur Bjoern Gabriel drehte im Fink Teile seiner Videoeinspielungen, es gab – auch wenn sie technisch hakte – eine Live-Schaltung zu seinem aktuellen Stück, welches zeitlgleich auf der Bühne im Depot aufgeführt wurde. Der kleine Laden hält immer wieder für Musikvideos her, sowie für etliche Interviews, die Künstler genau hier und nirgendwo anders geben wollen. Zu all dem sei erwähnt, dass das Fink eine ganz wunderbare Küche anzubieten hat, sowie einen kleinen Biergarten, der urbaner nicht sein könnte und der für viele Gäste eigentlich unverzichtbar für die Umgebung ist.

Das Ende des Fink läutet mehr ein als nur das Ende einer weiteren Bar
Mit all dem wird am 23. Dezember nun Schluss sein. Schweren Herzens haben sich Kati Eilinghoff und ihr tolles Team dazu entschlossen, diese Oase für immer zu schließen. Das wird nicht schmerzlos an Dortmund vorübergehen. Denn einen Ort wie das Fink gibt es kein zweites Mal in der Stadt.
„Wenn alle weggehen würden, dann würden die Zombies gewinnen“, so titelten wir damals eine Story über das Fink. Knapp viereinhalb Jahre später ist es soweit. Trotz aller Mühen scheint die Stadt Dortmund das Problem Nordstadt nicht in den Griff zu bekommen. Trotz allem Entgegenkommens der Verantwortlichen kann Kati Eilinghoff ihren Laden nicht länger überleben lassen. Das dies nicht ihrem Engagement oder gastronomischen Fähigkeiten zu verschulden ist, sollte nach den oben geschriebenen Zeilen jedem Leser einleuchten.

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Nicht nur an Halloween ein verrückter Laden: Das Fink sorgt regelmäßig für bunte Abende in Dortmunds Nachtleben. / Foto: LJOE

Das Ende des Fink läutet mehr ein als nur das Ende einer weiteren Bar. Ab Ende Dezember wird niemand mehr das teilweise apokalyptisch anmutende Treiben rund um den Nordmarkt mit einem Gegenprogramm aus Independent-Kultur und Kaffee jeden Tag aufs Neue durchbrechen. Wenn Kati Eilinghoff am 23. Dezember zum letzten Mal die Türen schließt, dann ist das der Sieg der Zombies. Die Stadt Dortmund hat kläglich versagt, den Nordmarkt auf Dauer für mehr als zwei Hände voll treuer Stammgäste begehbar und attraktiv zu machen. Das spiegelt nicht nur unsere persönliche Meinung wieder. In gefühlten hunderten Gesprächen in den letzten vier Jahren wurde den Last Junkies dies immer wieder als Hauptgrund aufgeführt, warum man sich letztendlich doch so oft entschließt, nicht den Weg Richtung Nordmarkt anzutreten. Das ist äußerst bedauerlich, mit der Konsequenz aber wird Eilinghoff nicht alleine leben müssen. Wenn das Licht im Fink erloschen ist, dann wird es ziemlich dunkel in Dortmunds Problembezirk. 

Doch noch leuchtet der roten Salon allabendlich für euch: Bis zum letzten Abend lädt das Fink noch einmal mit offenen Armen ein. Es wird noch einen halben Herbst und einen Winter lang tolle Konzerte und Veranstaltungen geben. Wer immer sich einbringen möchte, der ist herzlichst dazu eingeladen, sich im Laden zu melden. Bis zur finalen Party am 23.12. soll es noch möglichst viel Angebot geben. Die rote Bühne kann euch gehören. Lassen wir es krachen!

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Alex Sound aus La Palma im Salon Fink. / Foto: LJOE

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About the author

Bjoern Hering lebt seit über 30 Jahren in Dortmund, aufgewachsen zwischen Graffiti, schwitzigen Konzerten und haufenweise Instrumentenkabeln. Bjoern liebt das Reisen und das Entdecken von Vergänglichem inmitten von hektischem Großstadttreiben. Auf seinem Blog Last Junkies On Earth dokumentiert er das Treiben seiner Stadt.