Die neue „Bring Your Own Beats“-Bühne beim Juicy Beats – Block Party rund um den Wohnwagen

Bring Your Own Beats @ Juicy Beats, Dortmund

Foto: Max Wermuth

Seit vier Jahren ist „Bring Your Own Beats“ (BYOB) beim Juicy Beats vertreten – und in diesem 5. Jahr wird es auf dem Dortmunder Festival erstmals eine eigene Hip Hop-Bühne nur für BYOB geben.

Was aber ist „Bring Your Own Beats“ und wie dürfen wir uns diese Bühne vorstellen? Um diese Fragen zu klären haben wir uns mit Max Wermuth aka Max Gyver getroffen, dem Gründer von BYOB und Hauptorganisator der BYOB-Bühne auf dem Juicy Beats.

LJOE: Max, wer schon länger in Dortmund lebt, hat von „Bring Your Own Beats“ sicher schon gehört, die meisten Leute verstehen darunter vermutlich eine Party-Reihe. Auf dem eigenen Blog wird BYOB „als freundschaftlicher Verbund von über 80 bekannten und weniger bekannten Beatbastlern aus der ganzen Bundesrepublik“ bezeichnet. Kannst du uns das mal ein bisschen genauer erklären?

Max: Eigentlich ist es ein Produzentenverbund, aber genau genommen sind wir Beatmaker.

LJOE: Worin unterscheiden sich im Hip Hop denn die beiden?

Max: Produzenten sind eher die Leute, die einen Verlagsdeal bei irgendeinem Label haben, wo sie dann aufgeführt sind, an Pitches für neue Lieder oder Alben teilnehmen, oder aber direkt gefragt werden, ob sie nicht beispielsweise das neue Kollegah-Album produzieren wollen. Beatmaker dagegen sind eher Typen, die nicht für einen Rapper produzieren, sondern einfach Beats bauen.

LJOE: Ihr seid also Beatmaker, die Parties veranstalten, welche dann wiederum wie aussehen?

Max: Angefangen hat das 2012. In der Großmarktschänke hab ich mal eine „Beat Me Up“-Party gemacht, die ging vor 1 Uhr nicht wirklich los. Und weil meine Kollegen immer viel produziert haben und ihre Beats in meiner Bude anhören wollten, hab ich eines dieser Treffen eben am 21. Februar oder so in die Großmarktschänke verlegt. Mein Idee war: Vor der eigentlichen Party passiert eh nicht viel, dann kann ich genauso gut 10 Leute jeweils 10 Minuten lang ihre Beats präsentieren lassen. Da kamen dann gleich ca. 200 Leute um sich das anzusehen.

LJOE: Das Konzept kam also super an und ihr wusstet, dass ihr das öfter machen solltet.

Max: Genau, das habe ich dann einmal im Monat veranstaltet und mit der Zeit ging es auch langsam los mit Beat Battles.

LJOE: Und wie liefen die ab?

Max: Also ich habe vier bis acht Leute eingeladen, die dann alle eine Sample-Vorgabe bekamen – zum Beispiel Easy Lover von Phil Collins – und dann mussten die innerhalb von 4 Wochen mit den Samples aus dem Lied einen Beat basteln. In meiner Zeit in Hamburg zuletzt habe ich das Konzept ausgebaut, sodass die Leute am Battle-Tag nur eine Stunde Zeit bekamen, um den Beat zu bauen. Jetzt beim letzten Mal hatten sie immerhin 24 Stunden dafür. Über dem Club hatte ich dann einen Raum hergerichtet, wo die schnell ihre Beats machen konnten.

„Bei Bring Your Own Beats geht niemand zum DJ
um sich seinen Lieblinssong zu wünschen“

LJOE: Funktioniert denn das Battle-Prinzip? Immerhin ist dafür die Interaktionsfreudigkeit der Leute gefragt, was ich mir aufgrund meiner Erfahrungen mit Hip Hop Parties, vorsichtig gesagt, etwas schwierig vorstelle.

Max: Klar, das kenne ich auch von Hip Hop Konzerten, dass die Leute dann mit verschränkten Armen vor der Bühne stehen, so nach dem Motto „Ja, dann liefer mal ab“. Bei BYOB kommen die Leute wirklich wegen der Beats und weil sie sich den Sound anhören wollen – auch, wenn sie den Produzenten nicht kennen. Da geht ganz sicher niemand zum DJ, um sich seinen Lieblingssong zu wünschen, weil er sonst nicht tanzen kann oder sowas.

LJOE: Wie sieht es denn stilistisch aus? Ist mehr oder weniger die gesamte Bandbreite des Hip Hop vertreten oder kommt BYOB eher homogen daher?

Max: Homogen definitiv nicht. Manche machen klassischen Backpack-Hip Hop, andere bauen elektronische Elemente ein. Das sieht man auch an den Leuten, da läuft der Veteran mit seiner breiten Jeans und dem Rucksack genauso rum wie der Grafiker in Röhrenjeans.

LJOE: Und wo kommen die Produzenten so her?

Max: Bei der ersten Beatcypher wollte ich 10 oder 12 Produzenten haben und allein da haben sich schon 16 aus Dortmund und ca. 5 Kilometer Umgebung beworben. Inzwischen gibt’s in jeder Stadt Produzenten, weil es einfach leichter geworden ist. Du musst nicht mehr jahrelang Samples diggen, sondern kannst dir die Songs bei YouTube runterladen. Also brauchst du nur noch eine Software mit der du produzieren kannst – Fruity Loops beispielsweise ist kostenlos – und Soundsamples, die du dir einfach runterladen kannst.

LJOE: Warum bekommt man denn von der Szene hier kaum etwas mit, wenn es sie doch gibt?

Max: Ich kann das vielleicht in einem Vergleich mit Hamburg erklären. Da gibt es eine Macher-Mentalität, die Leute haben eine Idee und versuchen es einfach mal. Freunde von mir bauen gerade zum Beispiel einen Wohnwagen um, für den sie den Wohnwagenhersteller als Sponsor wollten. In Dortmund glaube ich, würde es alleine schon an der Mail an Fendt scheitern – da sagt man sich „Das interessiert die eh nicht“. Es fehlen aber natürlich auch die Kontakte, weil Dortmund im Gegensatz zu beispielsweise Hamburg keine Medienstadt ist, das heißt die Wahrscheinlichkeit, dass man große Musiker, Labelleute oder jemanden aus Booking-Agenturen kennt, ist einfach nicht so hoch.

Beatmaker, Rapper, DJs, Combos können sich für einen Auftritt beim Juicy Beats bewerben

LJOE: Gut, immerhin gibt’s die Szene und anscheinend auch einen gewissen Zulauf bzw. zumindest ein reges Interesse an ihr – sonst würde BYOB beim Juicy Beats jetzt wohl kaum eine eigene Bühne bekommen. Es gibt ja einen Aufruf für Nachwuchs-Acts, die sich für einen Platz auf der BYOB-Bühne bewerben sollen. Wollt ihr damit jetzt Beatmaker aus ganz Deutschland anlocken?

Max: Unser Fokus liegt schon auf regionalen Künstlern, so bis Köln ungefähr.

LJOE: Und wozu genau ruft ihr auf?

Akai MPC40

Foto: Max Wermuth

Max: Zum einen verlosen wir 6 Plätze für jeweils 10 Minuten bei der Beatcypher; das ist wirklich straight ein Produzenten-Ding, wobei es jedem selbst überlassen bleibt, ob die Beats von CD abgespielt oder live produziert werden. Und dann verlosen wir noch 2 Wildcards à 30 Minuten, die offen für alles sind, also auch Rap und Gesang, einen live-Beatmaker, einen abgefahrenen DJ oder so. Unter allen, die dann per Los letztlich auf die Bühne stehen, verlosen wir zum Schluss noch Equipment von Akai im Gesamtwert von rund 800 Euro; Monitorboxen, eine APC40 und eine MPC portable.

LJOE: Und wieviel Zeit bekommen die Beatmaker zum Basteln?

Max: Das ist komplett frei. Es geht nur darum, dass du ein Set schickst, mit dem du dich bewirbst. Ich mache keine Vorgabe, weder über die Beatlänge, noch wie viele Beats in den 10 Minuten stecken sollen – jeder weiß am besten selbst, wie er sein Set aufbauen möchte. Auf der Bühne kann man dann sein Zeug natürlich auch live spielen, wir haben über unsere Kooperation mit Akai alles an Equipment da.

LJOE: Wie läuft die Bewerbung denn formal ab?

Max: Du schickst bis zum 8. Mai eine Email an bringyourbeats@juicybeats.net, wo du kurz sagst, wer du bist und hängst da entweder eine mp3 an oder fügst einen Soundcloud-, Zippyshare-, Dropbox-Link oder so ein. Ich höre mir das Zeug an und entscheide dann, ob es cool und gut genug ist. Wenn ich den Eindruck habe, dass jemand noch nicht soweit ist, sage ich das auch. Natürlich geht es darum, den Nachwuchs zu fördern, aber einen gewissen Anspruch haben wir selbstverständlich trotzdem.

LJOE: Ein bisschen Qualitätsmanagement ist ja auch wichtig, wenn ihr euren Platz beim Juicy Beats behalten wollt.

Max: Eben. Und es geht ja auch ein bisschen darum, voneinander zu lernen und sich zu connecten. Die Leute kommen aus Münster, Köln, Paderborn, Bielefeld und lernen Sounds kennen, die sie cool finden und sie inspirieren. Das, was Bring Your Own Beats eben ausmacht. Viele Produzenten sind ziemlich nerdy, weil sie den ganzen Tag vor dem Rechner sitzen, aber persönlicher Kontakt ist wichtig.

Block Party im Easy Kisi

LJOE: Und wieso habt ihr jetzt eine eigene richtige Bühne für BYOB? Am Anfang hattet ihr ja die Summersounds-„Bühne“, also einen Pavillon.

Max: Das liegt nicht zuletzt an der jetzt noch intensiveren Zusammenarbeit mit dem Jugendamt. Bring Your Own Beats fand zwar immer in Kooperation mit dem Jugendamt statt, aber dieses Jahr haben wir diese Zusammenarbeit ausgebaut.

LJOE: Das zeigt sich dann wie?

Max: Unter anderem darin, dass wir nicht wie in den Vorjahren erst um 14 Uhr aufmachen, sondern schon um 12. Und dass wir auch größer denken, indem wir jetzt das Ganze jetzt als Hip Hop Camp verstehen. Es wird bunter und aufwändiger. So hole ich beispielsweise den vorhin erwähnten umgebauten Wohnwagen, den „Easy Kisi“, aufs Juicy Beats, aus dem die DJs dann auflegen.

LJOE: Eure Bühne wird also eigentlich dieser Wohnwagen sein?

Max: Exakt. Davor bauen wir dann noch Bütecs, wenn also ein Rapper oder eine Band auftritt, ist der „Easy Kisi“ die Kulisse. So, und dann gibt es noch das Hip Hop Frühstück. Das heißt, dass von 12 bis 14 Uhr beispielsweise live Graffiti von Jungs aus dem JKC (Jugend- & Kulturcafé auf der Rheinischen Straße, Anm. LJOE) gesprayt wird, gleichzeitig gibt es live Rap, Bierbänke stehen herum – da kann man den Festivaltag ganz entspannt beginnen. Um die Uhrzeit ist auf dem Juicy Beats ja noch nicht so viel los und unser Frühstück ist ein spannendes Programm an einem coolen Spot, wo du im Schatten der Bäume chillen und auf den See runterschauen kannst. Außerdem haben wir viel Laufkundschaft, weil wir direkt an mehreren Wegen sind.

LJOE: Und wer tritt dann während des Frühstücks auf?

Max: Das sind Jugendliche aus den Einrichtungen, beispielsweise aus Scharnhorst oder der Nordstadt, zum Teil als Open Mic Cypher. Das alles gleichzeitig, sodass es sich ein bisschen anfühlt wie eine Block Party. Das geht dann wie gesagt bis 14 Uhr, danach kommen der Beatcypher, die beiden Wildcards und Acts wie MoglebaumRobot Orchestra oder Gold Roger.

Max Gyver

Max Gyver, der eigentlich Max Wermuth heißt. / Foto: Tobias Koop

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About the author

Nachdem er seinen Job als Sportreporter an den Nagel gehangen hat, hat es Florian Kohl als Freelancer, Denker und Schreiber von Hamburg nach Dortmund verschlagen. Soziale Strömungen, Politik und vor allem gutes Essen liegen dem vormals Hardcore-Reggae-Fundamentalisten sehr am Herzen. Wer ihn heutzutage eher auf Garage-Konzerten antrifft, sollte mal lieb grüßen: You won’t see him raging as long as being treated nicely.