Beirut’s Banksy bemalt Nordstadtfassade mit Schülerinnen

Über mehrere Tage hinweg entsteht im Rahmen des HUNA/K Festivals in der Münsterstraße dieses große Wandgemälde. / Foto: Didi Stahlschmidt.

Eine Gruppe Kinder und Jugendlicher mit Spraydosen, Zeichenstiften und Funkeln in den Augen stehen vor einer mehrstöckigen Hausfassade, während sich ein blauer Kranwagen langsam zu ihnen herunter neigt. Auf dem Podest des Gefährts stehen zwei in blaue Müllsäcke gehüllte Kinder und ein junger Mann, der trotz des leichten Regens konzentriert lächelt und alles im Blick hat. Es ist Mittwochmittag, Münsterstrasse, Ecke Westhoffstrasse, Nordstadt, Nieselregen liegt in der Luft, freudige Spannung noch viel mehr.

Denn insgesamt 30 SchülerInnen der Anne-Frank Gesamtschule sind Teil des Workshops in Zusammenarbeit mit der Kulturagentin Barbara Müller, um die in der Münsterstrasse zentral gelegene Hausfassade vom und vor allem mit dem Graffiti-Künstler Yazan Halwani zu gestalten. Aufgeteilt in drei Gruppen – die sich jeweils mit arabischen Schriften befassen, mit dem Künstler die Wand bemalen oder im Umfeld der Münsterstrasse recherchieren – entsteht bis zum 25.09.2015 ein Kunstwerk im öffentlichen Raum. Die gemischte Klasse im Alter zwischen 12 und 14 Jahren hat sich zur Vorbereitung im Vorfeld mit dem Künstler und seinen Werken befasst, mit der Geschichte von Graffiti oder auch mit arabischen Gegebenheiten entlang der Münsterstrasse.

Yazan Halwani mit Schülern und Schülerinnen beim HUNA/K Festival 2015

Nun stehen sie unter einem weißem Pavillon und lassen sich von Yazan Halwani erklären, wie man Schritt für Schritt aus dem Englischen ins Arabische kommt – genauer gesagt, wie die Kinder ihren Namen, erst wie gewohnt, dann mit kalligrafischen Ansätzen und letztendlich von rechts nach links schreibend in Arabisch umsetzen. Der sympathische, aus Beirut stammende Graffiti-Künstler Yazan Halwani wird von internationalen Medien als „Beirut’s Banksy“ betitelt und widmet sich in seinen eindrucksvollen, großformatigen Arbeiten dem Wandel des eher politisch und säkular geprägten Stadtbildes in ein Bild der gesellschaftlichen Union in Kunst und Kultur. Er ist einer der wichtigsten libanesischen Street-Art-Künstler, der die klassische Malerei als auch die arabische Kalligrafie in seinen Werken zusammenführt und im öffentlichen Raum für Diskurs oder neue Perspektiven auf Schrift und Sprache im Stadtbild sorgt.

Nun steht und arbeitet er vier Tage in der Nordstadt und erklärt auf Englisch den interessierten SchülerInnen, Techniken, Tricks und Tipps für die Arbeit an der großen Wand. Selbige zeigt bereits am Mittwochnachmittag Konturen eines Jungen, der einen Gegenstand in der Hand hält und der etwa das Alter der SchülerInnen hat. Wer sich wirklich hinter diesem kindlichen Großportrait verbirgt und was an arabischen Schriften noch auf die Wand aufgetragen wird, kann jeder bis Freitag live und danach dauerhaft begutachten.

»»Manche Menschen sagen mir, dass ich “berühmte Leute male”, das stimmt aber nicht. Ich male Gesichter, die Geschichten erzählen und die Teil unserer Kultur sind. Anstatt meinen “Alias” zu kreieren, würde ich Worte, Buchstaben und Bilder malen, die viel besser zu Stadt, Kultur und Kontext passen würden. An diesem Punkt habe ich gedacht, dass ein gutes Wandgemälde eines ist, das die Bürger in seiner Umgebung anspricht: Es wird zu einem Teil der Stadt und gehört ihnen, nicht dem Künstler.«« (Yazan Halwani)

 

Wichtiger Termin zu dem Thema:

Samstag, 26. September 2015

17:30 Uhr, Export 33, Speicherstr. 33, Dortmunder Hafen

Podiumsdiskussion – „Schriftsprache und öffentlicher Raum“

mit Lisa Bogerts, Yazan Halwani und Fabian Heerbaart

moderiert von Fadi Abdelnour

 

Zusammen mit Lisa Bogerts und Fabian Heerbaart reflektiert der Künstler seine Arbeit sowie Bedeutung und Repräsentation von arabischer Schrift und Sprache im öffentlichen Raum. Lisa Bogerts ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Goethe-Universität Frankfurt im Bereich Internationale Beziehungen. Sie promoviert zum Thema visuelle Protestkommunikation in Konflikten am Beispiel von Street Art als Widerstands- und Herrschaftspraxis. Sie ist in verschiedenen Kunstinitiativen aktiv. Yazan Halwani ist Graffiti-Künstler und wird von internationalen Medien als „Beirut’s Banksy“ gehandelt. In seiner Arbeit widmet er sich dem Wandel des eher politisch und säkular geprägten Stadtbildes in ein Bild der gesellschaftlichen Union in Kunst und Kultur. Fabian Heerbaart ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand an der Universität zu Köln, zum Schaffen junger ägyptischer Künstler*innen und hat dabei auch die Graffiti von Ammar Abo Bakr eingehend studiert.

!DAS GESPRÄCH FINDET IN ENGLISCHER UND DEUTSCHER SPRACHE STATT!

 

Weitere Fotos von der Aktion (allesamt mit freundlicher Genehmigung von Didi Stahlschmidt) :

Yazan Halwani mit Schülern und Schülerinnen beim HUNA/K Festival 2015

 

 

Yazan Halwani mit Schülern und Schülerinnen beim HUNA/K Festival 2015

 

Über mehrere Tage hinweg entsteht im Rahmen des HUNA/K Festivals in der Münsterstraße dieses große Wandgemälde.

 

 

Yazan Halwani mit Schülern und Schülerinnen beim HUNA/K Festival 2015

 

 

Yazan Halwani mit Schülern und Schülerinnen beim HUNA/K Festival 2015

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About the author

Nachdem er seinen Job als Sportreporter an den Nagel gehangen hat, hat es Florian Kohl als Freelancer, Denker und Schreiber von Hamburg nach Dortmund verschlagen. Soziale Strömungen, Politik und vor allem gutes Essen liegen dem vormals Hardcore-Reggae-Fundamentalisten sehr am Herzen. Wer ihn heutzutage eher auf Garage-Konzerten antrifft, sollte mal lieb grüßen: You won’t see him raging as long as being treated nicely.

3 comments on “Beirut’s Banksy bemalt Nordstadtfassade mit Schülerinnen”

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