Abracadobra! Die Zauberer sind zurück!

Dortmunds Zaubermeister Pilloso schaffte es leider nicht ins Finale.

Dortmunds Zaubermeister Pilloso schaffte es leider nicht ins Finale. / Foto: Facebook

Es gab mal eine Zeit, zumindest war das in meiner Jugend so, da waren Zaubertricks nicht so besonders cool. Immer dieselben Sachen, selbstdarstellerische Protagonisten und die zunehmende Entzauberung durch das Internet, das einem erklärte, wie die Tricks funktionierten – zaubern war eher so ein schmuddel-Ding.

In den letzten Jahren aber, so scheint es mir, hat die Branche wieder Auftrieb bekommen. Immer häufiger tauchen in meinem Leben jetzt wieder Menschen auf, die mir und anderen in kleiner, privater Runde ein Lächeln ins Gesicht und vor allem Denkfalten auf die Stirn zaubern. Am Samstag habe ich das auch erstmals im größeren Rahmen erlebt, als ich im restlos ausverkauften Theater Fletch Bizzel bei Dortmunds erstem Zauberslam Abracadobra war – einer, soviel muss vorweg gesagt werden, großartigen Veranstaltung. Sechs (bzw. sieben) Zauberer traten gegeneinander an, von denen jeder die ausgeübte Kunst bzw. sein Handwerk anders präsentierte. Während Jan Hendrix in der Erinnerungskiste kramte (Sendung mit der Maus) und Ulf & Toby aus Bonn die ihnen zur Verfügung stehenden 12 Minuten mit einer Märchenstunde und einem einzigen, dafür ausführlichen (und ganz schön wirkungsvollen) Trick füllten, ging Adam Sky aus Herne beispielsweise sehr viel kleinteiliger und wortkarger vor.

Als die erste Runde mit den ersten drei Kandidaten durch war, gab es eine kurze Pause in der sich für mich nach einem kurzen Meinungsabgleich mit anderen Zuschauern herausstellte, dass auch anderen „die richtige Zauberei“ ein wenig zu kurz kam. Sicherlich konnte man jedem eine individuelle Klasse zugestehen, aber vom Hocker gerissen hatte es mich irgendwie noch nicht so richtig. Von Adam Sky abgesehen fiel der Applaus, der beim Slam ja über Top oder Flop entscheidet, dann auch dementsprechend eher verhalten aus – zumindest verglichen mit dem, was danach kam.

In Runde zwei folgte ein Kracher auf den anderen

Denn im zweiten Durchgang, in dem „Mentalkünstler“ Salvador, Jungspund Marc Weide und Lokalmatador Pilloso allesamt begeisterten, änderte sich das schnell. Nicht nur mein Eindruck war, dass einfach die drei ins Finale gehört hätten und so blickte ich selbigem nur für einen kurzen Moment nicht ganz so freudig entgegen, weil ich von allen dreien einfach lieber noch mehr gesehen hätte. Aber ein Wettbewerb hat eben üblicherweise nur einen Gewinner – und da das ja von vornherein klar ist, kann man sich mit der Enttäuschung wohl auch leichter arrangieren. Auch der große Pilloso, der ausnahmsweise mal keine seiner Kartenkunststücke vorführte, mit denen er sonst so oft seine Mitmenschen verzaubert, zeigte sich keineswegs niedergeschlagen von seinem vorzeitigen Ausscheiden. Der junge Marc Weide setze sich in der zweiten Gruppe durch und errang letzten Endes auch ziemlich deutlich den Titel (auch wenn die Jury, die mit einer zweiten Applausrunde auf Nummer sicher gehen wollte, da offenbar anderer Meinung war). Der Wuppertaler war auch zweifelsohne richtig, richtig stark und ist ein verdienter Sieger, aber andere hätten den Titel nicht weniger verdient gehabt. Aber wie gesagt: Einen Zauberslam kann eben nicht jeder gewinnen. Achja: Geld hat von den Künstlern keiner verdient. Alle Einnahmen gehen als Spende an den Clownsvisite e.V..

Das Gefühl, dass der Abend vielleicht nicht ganz so ausgegangen war, wie ich es mir gewünscht hatte, hielt aber keine fünf Minuten an, zu groß war der Spaß gewesen, den diese Veranstaltung gebracht hatte. Mir genauso wie anscheinend allen anderen. Und darum geht es doch letztlich, oder? Ich hoffe jedenfalls, dass das nur der erste Zauberslam in Dortmund war, zu Fortsetzungen (und deren Besuch) möchte ich an dieser Stelle dringend raten. Und bis dahin sage ich erstmal: Danke, Fletch Bizzel und danke an all die Zauberer! Für einen schönen Abend und dafür, dass ich jetzt wieder den Glanz der Zauberei zu erkennen vermag.

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About the author

Nachdem er seinen Job als Sportreporter an den Nagel gehangen hat, hat es Florian Kohl als Freelancer, Denker und Schreiber von Hamburg nach Dortmund verschlagen. Soziale Strömungen, Politik und vor allem gutes Essen liegen dem vormals Hardcore-Reggae-Fundamentalisten sehr am Herzen. Wer ihn heutzutage eher auf Garage-Konzerten antrifft, sollte mal lieb grüßen: You won’t see him raging as long as being treated nicely.