5 wesentliche Dinge, die ich in Spanien gelernt habe

Foto: Icanteachyouhowtodoit / Flickr / License: CC BY 2.0

Ein geplanter ruhiger Abend mit spanischen Freunden endet nicht selten in einer eskalierenden Partyorgie, ein Klobesuch wird zum Drogentrip und als Deutscher sollte man lieber alles futtern, was man finden kann. Hier sind die fünf wesentlichen Dinge, die ich Spanien gelernt habe.

1. In Clubs sind die Pissoirs immer frei, da alle in den abschließbaren Toiletten rumlungern
Auch wenn dein Lieblingsclub vor überschönen Menschen zu platzen scheint und du dir seit einer geschlagenen halben Stunde den Weg zur Toilette erkämpft hast, gebe ich dir Entwarnung, denn sobald du das erlösende WC erreicht hast, wirst du eine ganze Armada leerer, nur auf dich wartender Pissoirs vorfinden. Schlange steht man hier noch vor den abschließbaren Klos, auf die man gerne zu zweit oder dritt verschwindet und aus denen neben ein paar plätschernden Strullergeräuschen vor allem meist hektische Knister – und Schnupfgeräusche kommen. Aufs Klo geht man hier nämlich vor allem zum Koksen. Spanien ist neben Großbritannien nach wie vor Europas größter Kokainkonsument, nach Informationen der Vereinten Nationen findet hier 21% des gesamten europäischen Kokainkonsums statt, und das kann ich ohne weitere Nachforschungen bestätigen.  Zu späterer Stunde entspannt sich dann die Lage, es wird jetzt quasi überall gekokst, gequatscht und geknutscht, auf den Gängen und auf dem Boden sitzend. Die Klotüren sind dann in der Regel nicht mehr verschlossen.

Foto: VICE

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2. Pizza schneidet man mit der Schere
Was habe ich mir jahrelang die Jeanshosen versaut, wenn ich eine fettige Salamipizza mit Messer und Gabel direkt in der Kartonage zerlegte und die Klinge den durchtränkten Pappboden direkt bis auf meine Oberschenkel durchsägte. Später dann wollten sie mir erzählen, ich bräuchte einen Pizzaschneider, am besten einen aus Edelstahl mit dem dazu passenden Pizzastein von Manufactum für 79 Euro. Bis ich mir mit meinen spanischen Freunden eines Tages eine lecker-durchgesuppte Ruhrgebietspizza nach Hause kommen ließ und sie mich nach einer Küchenschere fragten. Wie einfach doch plötzlich alles war! Schnipp schnapp, zack zack, und jeder hat sein Stückchen Pizza in der Hand, ganz ohne Sauerei und Küchenutensiel-Geprolle. Probiert es aus, ihr werdet es nie wieder anders machen.

Foto: J. Loftus, Fickr / License: CC BY 2.0

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3. Essen ist sowieso völlig überbewertet
Essen gehört in Spanien zum Leben wie das Wasser an sich. Kaum etwas wird dermaßen zelebriert, gefeiert und gelebt. Und doch essen Spanier irgendwie nie. Jedenfalls nie, wenn ich Hunger habe. Ein bisschen Tapas zum Wermut, mal zwischendurch ein belegtes Tomatenbrot mit feinstem Serrano und schwups! – ist auch schon wieder eine Woche um, ohne dass man auch nur einmal eine vollwertige Mahlzeit zu sich genommen hat. Wer eine Runde abnehmen will, den schicke ich gerne mal auf Tour mit meinen spanischen Freunden. Koks und Patatas Bravas mit Dip, das wird eure Diät sein.

patatasbravas

Foto: Amelia Wells / Flickr / License: CC BY 2.0


4. Bier ist eine angenehme Erfrischung zum Koks

Die Kiffer unter euch kennen es: Tomatensaft, der Zungenkuss Gottes, kann so erfrischend sein, wenn man drauf ist und sich der Mund beim Trinken anfühlt, als wäre er stadiongroß. Doch was ist das erfrischendste Getränk bei einem gepflegten Kokainkonsum in der spanischen Sonne? Ein kaltes Bier, habe ich erfahren, und davon gibt es in Spanien Gott sei Dank reichlich. Riesige eisige Kühlboxen hinter den Bars, randvoll mit leckerem Alhambra 1925, beschlagenen Mahou-Fläschchen, an denen die Luftfeuchtigkeit nur so kondensiert, Tropicals, Moritz, Estrellas oder Cruzcampos, die eure bitter schmeckende Kehle benetzen und euch augenblicklich ein wenig erden werden.

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Foto: Lucía Ponce / Flickr / License: CC BY-NC-ND 2.0


5. Lässt du dein Bier 10 Sekunden unbeaufsichtigt, wird es dir jemand klauen

Ist mir so wirklich des Öfteren passiert. Du stellst dein Bier auf dem Tisch ab, drehst dich nach links, drehst dich wieder zu deinem Bier – und greifst ins Leere. Statt sich aufzuregen, hat man mir einfach empfohlen, sein Bier niemals aus der Hand zu geben, ehe es nicht wirklich ganz leer ist. Was in Deutschland also Grund genug für eine ordentliche Schlägerei wäre, wird in Spanien mit einem Augenrollen abgetan. Wenn dir also dein Bier lieb ist, dann halt es besser fest in der Hand. Denn Ablenkung gibt es hier mehr als genug.

Foto: Icanteachyouhowtodoit /  Flickr  / License: CC BY 2.0

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About the author

Bjoern Hering lebt seit über 30 Jahren in Dortmund, aufgewachsen zwischen Graffiti, schwitzigen Konzerten und haufenweise Instrumentenkabeln. Bjoern liebt das Reisen und das Entdecken von Vergänglichem inmitten von hektischem Großstadttreiben. Auf seinem Blog Last Junkies On Earth dokumentiert er das Treiben seiner Stadt.

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